im herzen der gewalt | buchbesprechung

15 Oktober 2017

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In seinem autobiographischen Roman ›Im Herzen der Gewalt‹ rekonstruiert der französische Bestsellerautor Édouard Louis die Geschehnisse einer dramatischen Nacht, die sein Leben für immer verändert. 
Auf der Pariser Place de la République begegnet Édouard in einer Dezembernacht einem jungen Mann. Eigentlich will er nach Hause, aber sie kommen ins Gespräch. Es ist schnell klar, es ist eine spontane Begegnung, Édouard nimmt ihn, Reda, einen Immigrantensohn mit Wurzeln in Algerien, mit in seine kleine Wohnung. Sie reden, sie lachen, aber was als zarter Flirt beginnt, schlägt um in eine Nacht, an deren Ende Reda Édouard mit einer Waffe bedrohen wird.

Im Herzen der Gewalt ist das erste Buch, das ich von Édouard  Louis gelesen habe. Sein Debütroman wurde von verschiedenen Seiten gelobt und als literarischer Schock bezeichnet. Sein zweiter Roman ist nach Didier Eribon noch stärker und macht Louis zu einem der bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Um ehrlich zu sein, hatte ich meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Ich fand sowohl die Form als auch den Inhalt schwer. Beides zusammen hat bei mir zu grossen Verwirrungen geführt, ich bin nicht nachgekommen und habe nicht alles verstanden. Als Leserin ist gut zu erkennen, dass Édouard Louis autobiographisch schreibt, die Geschichte, die ganzen Gefühle und Handlungsstränge kommen sehr authentisch rüber. Die Form war hingegen sehr verwirrend. Es wurde nicht chronologisch erzählt, sondern von einem Punkt zum nächsten gesprungen und das ohne erkennbaren roten Faden - vor und zurück. Der Roman beginnt mit Édouards Begegnung am Weihnachtsabend an der Place de la Rebupliquec in Paris. Er trifft einen Mann namens Reda und nimmt ihn nach kurzem Zögern mit zu sich nachhause. Im Laufe des Buches erfährt man immer mehr über die Beziehung der beiden Männer, was sie gemeinsam getan haben, was schön war, was sonderbar war, was schrecklich und was angsteinflössend war. Diese Art des Aufrollen einer Geschichte finde ich immer sehr spannend, auch wenn es immer zu Komplikationen führt. 

Für mich war dieses Buch auf Seite des Autors mehr ein Werk der Verarbeitung dieser Begegnung, als Literatur. Ich hoffe es ist nachvollziehbar, was ich damit meine. Natürlich ist es Literatur und ich würde auch so weit gehen, dass ich sagen würde, dass das Buch gut war, auch wenn es mir nicht ganz zusagen konnte. Irgendwie hat er es sich beinahe etwas einfach gemacht. Das ist natürlich sehr gewagt, das so zu formulieren, ich wünsche niemandem ein Erlebnis, das dem gleicht, das Édouard  Louis erlebt hat, aber er hätte etwas mehr rausholen können. Die Handlung wird detaillierter beschrieben, aber ihm wesentlichen geschieht nicht viel mehr. Wenn es euch also interessiert und ihr euch gut auf eine etwas gewagte Erzählform einlassen mögt, bin ich sicher, dass es euch gefallen wird. Mir ist es irgendwie nicht gelungen, obwohl ich den Roman auch sehr gerne und gespannt gelesen, beinahe schon verschlungen habe. Dennoch habe ich mir einige Passagen genau eingeprägt, der junge Franzose hat einen schönen Wortschatz und eine Message, die ich ebenfalls aus dem Buch mitgenommen habe, ist, dass Freunde einem das Leben retten können - im übertragenen Sinne natürlich. Ohne Menschen, die einem zuhören, einem helfen und einem beraten sind solche schweren Situationen im Leben kaum bestreitbar und dieser Roman hat mich in dieser These bestärkt. Ein weitere Teil des Buches, der mich beeindruckt hat, ist zu sehen, was eine solche Begegnung mit einem anstellt. Inwiefern sie einem verändert, schwächt und wie sich das im Alltag zeigt. Ich bin gespannt auf eure Meinungen zum Buch, wir freuen uns über jeden Kommentar!
Kommentare
  1. Über das Buch habe ich schon einiges gelesen, weil ich es nämlich auch anfragen wollte =) Finde Deine Auseinandersetzung mit der Geschichte sehr einleuchtend und lese es sicher noch.

    Neri, Leselaunen

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    1. Das freut mich zu hören! Ich schätze deine Kommentare sehr und freue mich jedes Mal wieder etwas von Dir zu lesen. Danke! <3 Anaïs

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