März | Monatsrückblick

31 März 2018

Keine Kommentare Share this post


Ankündigung: Von jetzt an findet ihr uns unter www.vivreavecdeslivres.blogspot.ch


Mara: Ich möchte nicht jeden Monatsrückblick gleich beginnen, aber ich kann es tatsächlich nicht fassen, dass der März schon um sein soll. Tatsächlich habe ich diesen Monat unfassbar viele bereichernde Dinge erlebt und entdeckt und möchte euch jetzt davon erzählen.

Der Internationale Frauenkampftag war am achten März. Es ist kein Feiertag, sondern, wie im Namen, ein Kampftag. Es gibt immer noch Ungerechtigkeiten in dieser Welt und gerade in meiner aktuellen Auseinandersetzung mit türkischer feministischer Literatur merke ich, wie es leider sogar Rückschritte gibt auf dieser Welt, und wie weit wir von tatsächlicher Gleichberechtigung noch entfernt sind. Mehr zum Thema könnt ihr in diesem wundervollen Artikel der lieben Julia Korbik lesen, die ihr sicher kennt, wenn ihr hier immer wieder reinlest: sie inspiriert uns sehr! Hier reinklicken!



Starken Frauen begegnen wir natürlich jeden Tag. Ich bin diesen Monat aber auf zwei sehr interessante Projekte gestossen, die ich gerne mit euch teilen möchte. G-IRL interviewt verschiedenste Frauen in intellektuellen und künstlerischen Berufen in der ganzen Welt.  Das Porjekt Insanlar | People portratiert Künstler_innen und Aktivist_innen, die unter der ganzen Repression in Istanbul aus aktiv bleiben.

Ich habe zwei wunderbare Konzerte genossen. Anfang des Monats durfte ich eine Liveband aus den 80ern sehen, die eine wunderbare Musik machen und sich erst vor drei Jahren wieder zusammengefunden haben. 'Les Negresses Vertes' machen Musik, die Google als Rock beschreibt, das trifft es aber definitiv nicht. Sie machen Weltmusik mit algerischen Einflüssen und haben uns zwei Stunden lang durchtanzen lassen.

Und gegen Ende des Monats fand mal wieder das m4music statt, ein Festival in Zürich, welches einzigartige und diverse Künstler_innen zusammenbringt und das Beste an Newcomer_innen präsentiert. Schon letztes Jahr durfte ich viele tolle Performances geniessen und dieses Jahr war das kein Stück anders. Besonders gefallen haben mir übrigens Jacob Banks und KT Gorique!

Gelesen habe ich natürlich auch wieder, zuerst 'Die Ungehaltenen' von Deniz Utlu, welches mir wahnsinnig viel mit 'auf den Weg' gegeben hat. Die melancholisch anmutende Seiten haben mich lange begleitet, dafür dass das Büchlein so dünn ist, und ich habe mich wirklich eng mit den authentischen Charakteren und ihren Irrungen im Leben angefreundet.
Danach habe ich endlich mit Elena Ferrantes Reihe angefangen und habe 'Meine geniale Freundin' sowie 'Die Geschichte eines neuen Namens' gelesen, was auch gut in die Stimmung gepasst hat - neben der eher schweren und tiefergehenden Lektüre, die ich mir sonst vornehme. Beide haben mir grundsätzlich gut gefallen, aber den Hype kann ich keinesfalls nachvollziehen, besonders nicht um die in meinen Augen eher banal anmutende Sprache.

Mitte Monats habe ich dann auch noch etwas ganz besonderes miterleben dürfen, denn das Pussy Riot Theater 'Riot Days' hat in Zürich Halt gemacht. Gemeinsam mit einer Freundin haben wir dieses Punk-Theater mitverfolgt und waren total 'geflasht', auch wenn ich diesen Ausdruck nicht mag. Das Stück verlangte uns Zuschauerinnen und Zuschauern sehr viel ab, fordert heraus und stellt unbequeme Fragen. Die Passion dieser Aktivistinnen und Aktivisten gemischt mit ihrer Geschichte ergibt einen einzigartigen Abend. Hauptakteurin war Mascha Alechina, die ein gleichnamiges Buch herausgebracht hat. 'Tage des Aufstands' hat eine poetische Sprache inne und liest sich wunderbar und geschmeidig, bekommt aber einen ganz anderen Unterton, wenn man ihn bereits von einer wütenden und leidenschaftlichen Bühnenperformane kennt! Das ist etwas, was mich neben dem Inhaltlichen auch sehr interessiert.

Und dann habe ich noch 'Die Glasglocke' von Silvia Plath begonnen und zwei Bücher über meine Türkei-Arbeit, 'Schwarze Galle' von Sema Kaygusuz und 'Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch' von Asli Erdogan. Davon berichte ich euch aber gerne nächsten Monat ausführlicher!

Diesen Monat habe ich in der Schule in Englisch eine Arbeit über Afroamerikanische Literatur geschrieben, in Verbindung mit der Harlem Renaissance Bewegung. Dabei bin ich auf einige Bücher gestossen, die ich noch lesen will, einige, die ich in der Vergangenheit gelesen habe, konnten mir helfen. Hier eine kleine Auflistung der Werke:
'Am anderen Ende der Welt' von Taa-Nehisi Coates (ein Brief, den er an seinen jugendlichen schwarzen Sohn schrieb, um ihm von der rassistischen Vergangenheit der USA zu erzählen und dadurch aktuelle Ereignisse tiefer beleuchten kann)
die Trilogie von Toni Morrison (von vielen Freundinnen die Lieblingsautorin, habe ich doch noch nichts von ihr gelesen, das soll sich jetzt aber schleunigst ändern!)
diverses von James Baldwin

An dieser Stelle möchte ich ausserdem erwähnen, dass meine Gedanken diesen Monat ständig bei Afrin waren. Ich finde es schrecklich, wie unsere Medien systematisch Geschehnisse dort, aber beispielsweise auch im Jemen oder Südsudan verschweigen. Das erfordert eine eigene Auseinandersetzung damit, welche ich für unglaublich wichtig halte. Empfehlen kann ich euch das spezifische Nachrichtenportal www.anfdeutsch.com


Anaïs: 

Diesen Monat bin ich tatsächlich wieder richtig ins Lesefieber gekommen, ich habe über zehn Bücher gelesen und bin sehr glücklich darüber. Es waren einige Theaterstücke für meine Maturitätsarbeit dabei, fast alle habe ich wahnsinnig gut gefunden und sie haben mich auch sehr inspiriert dann mein eigenes Theater zu schreiben, vorwiegend formal, doch auch inhaltlich komme ich immer mehr auf die Sprünge und das ist super schön. Dann habe ich auch noch ein Paar Deutsche Bücher gelesen, unteranderem Wir waren doch mal Feministinnen, Die Ungehaltenen und Ellbogen. Ich habe noch einige tolle Bücher auf meinem SuB und hoffe sie alle so schnell wie möglich zu lesen, doch jetzt, wo der Frühling da ist, wird das hoffentlich auch ganz schnell passieren. 
Wie Mara bereits erwähnt hat, war am 8.März der Internationale Tag der Frau, zum ersten Mal habe ich dieses Jahr geschafft an eine Demonstration zu gehen und ich muss sagen, sie war wohl eines meiner Highlights diesen Monat. Hier in Genf ist selbst die Stimmung an einer Demo anders, das hat aber bestimmt auch damit zu tun, dass nur Frauen teilgenommen haben. Wir waren viele, extrem viele und wir konnten durch ganz Genf streifen! Es war ein sogenannter 'Marche nocturne', der erst um 20 Uhr begonnen hat, es war ein riesiges Fest. Alle haben auf der Strasse getanzt und zu den Liedern mitgesungen, es gab einen Karaokewagen, vorne wurden Parolen geschrien und die Demo endete auf einem grossen Platz mit Feuerwerk. Ich war so glücklich! 

Ebenfalls war ich diesen Monat wieder einmal im Kino, ich habe Call Me By Your Name gesehen und kann euch den Film gerne empfehlen, letzte Woche ist ein Post dazu online gekommen, schaut gerne hier vorbei. 

Vom 9. bis am 18. März gab es in Genf das FIFDH, Le Festival du Film et Forum International sur les Droits Humains. In der ganzen Stadt gab es täglich verschiedene Anlässe und im Rahmen dieses Festivals konnte ich mit einer Freundin eine Lesung von Chimamanda Ngozi Adichie zu ihrem Manifest für eine feministische Erziehung anhören. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, doch leider war es ein kleiner Reinfall. Wir haben nicht gewusst, dass jedes Kapitel von einer anderen Frau vorlesen wird, in ihrer eigenen Sprache. Eigentlich super toll, aber nur doof, hatten wir keinen Audioguide. Wir haben uns dann eine Lesung auf Koreanisch, Russisch, Schwedisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Bosnisch, Kreolisch, Englisch, Deutsch, Polnisch, Italienisch, Katalanisch, Arabisch, Igbo und Chinesisch angehört. 

Eine weitere Lesung die ich Ende März besuchen konnte, war die Lecture Publique de l'Odyssée. Zu diesem Anlass kam es im Rahmen der Lectures Homériques, ein Anlass der alle zwei Jahre stattfindet. Von Mittag bis Mitternacht wird an zwei Tagen die ganze Odyssée gelesen, von jungen Schülern bis hin zu Rentnern. Eine Freundin von mir hat auch gelesen, ich habe fast nichts verstanden, aber es war trotzdem eine tolle Erfahrung und ein sehr schöner Abend. 

Ein Junge aus meiner Klasse hat ein ganz spezielles Hobby: Er macht Zirkus. Am letzten März Wochenende hatte er eine Aufführung und ich bin sie mir anschauen gegangen, das war wunderschön. Die artistischen Leistungen einerseits sehr beeindruckend und das schönste war einfach die Leidenschaft, die man bei all den Artisten sehen konnten. Sie lieben alle das, was sie tun, sie fühlen sich da wohl und haben mit dem Zirkus ein zweites Zuhause gefunden, wie schön. 

Am ersten März Wochenende konnte ich mit meiner Gastmutter und zwei weiteren Frauen ein Wochenende in Lyon verbringen. Ich war noch nie zuvor da, möchte aber gerne zurückgehen und etwas mehr erforschen, leider habe ich mich fast nur im Zentrum herumgetrieben und die Einkaufspassage besucht. Dennoch war es ein schönes Wochenende, ich habe viel gelacht, alte Freunde besucht und Sonne getankt: Es wird Frühling, wie schön. 
Und zu guter letzt möchte ich euch gerne noch kurz erzählen, wie es mir hier in Genf geht. Ich habe diesen Monat recht viel gemacht und mich sehr gefreut, dass ich an so vielen tollen Ereignissen teilnehmen konnte, mir geht es sehr gut. Ich bin sehr glücklich hier, ich freue mich sehr, bereits wunderschöne Bekanntschaften geschlossen zu haben und mich hier eingelebt zu haben. Ich geniesse es sehr, so viel Zeit alleine zu verbringen, freue mich aber auch, dass ich nun immer mehr mit anderen Leuten Dinge unternehmen kann und mich beginne mit Leuten anzufreunden. Ich habe so viel gelernt, und merke, wie ich meinen Fokus auf ganz neue Sachen lege, ich freue mich viel mehr über die kleinen Momente, werde sentimentaler und aufmerksamer. Ich gehe mit offenen Augen durchs Leben, ich versuche es zumindest. Natürlich ist das nicht alles, es gibt immer schwere Momente, beispielsweise bei meiner Gastfamilie herrscht gerade sehr düstere Stimmung, wegen eines Krankheitsfalles in der Familie und auch mir fehlen Familie und Freunde aus Zürich, doch grundsätzlich bin ich super super happy. 
Keine Kommentare

Wir lieben Kommentare - Rückmeldungen, konstruktive Kritik und natürlich auch Lob.
Allerdings wird Spam und anderes sofort von uns gelöscht!




FREYJA © 2017
Template by Blogs & Lattes

Enter your keyword