Die Geschichte der getrennten Wege | Buchbesprechung

21 Januar 2018

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Es sind die turbulenten siebziger Jahre und die beiden inzwischen erwachsene Frauen. Lila ist Mutter geworden und hat sich befreit und alles hingeworfen – den Wohlstand, ihre Ehe, ihren neuen Namen – und arbeitet unter entwürdigenden Bedingungen in einer Fabrik. Elena hat ihr altes neapolitanisches Viertel hinter sich gelassen, das Studium beendet und ihren ersten Roman veröffentlicht. Als sie in eine angesehene norditalienische Familie einheiratet und ihrerseits ein Kind bekommt, hält sie ihren gesellschaftlichen Aufstieg für vollendet. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie ständig an Grenzen gerät.


Ganze Welten trennen die Freundinnen, doch gerade in diesen schwierigen Jahren sind sie füreinander da, die Nähe, die sie verbindet, scheint unverbrüchlich. Würde da nur nicht die langjährige Konkurrenz um einen bestimmten Mann immer deutlicher zutage treten.


Ich muss zugeben, es ist bereits einige Zeit her, seit ich diesen dritten Band gelesen habe, aber dennoch wollte ich eine Rezension dazu schreiben, aus dem einfachen Grund, weil es ein wahnsinnig gutes Buch ist, das mir noch immer viel Freude macht, wenn ich daran denke. In meinem Post über die ersten zwei Bände dieser Reihe (hier kommt ihr dazu), habt ihr bereits gemerkt, dass ich ein grosser Fan von Elena Ferrante geworden bin und das bin ich noch immer. Der dritte Band hat mir bisher am besten gefallen, die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen, es schien mir beim Lesen, als würde ich sie schon Ewigkeiten kennen und als wären sie gute Freunde geworden. Die Autorin hat es geschafft, dass ich mich fühlte, als wäre ich selber ein Teil der Geschichte. Wir befinden uns in diesem Teil der langen Geschichte in den turbulenten siebziger Jahren, es wird also sehr politisch. Diese Zeit interessiert und fasziniert mich sowieso schon seit längerem, deshalb war es zusätzlich grossartig, auf diesem Weg mehr davon zu erfahren. Kleine Revolutionen in ganz Italien, ausgehend von den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft, auf die verschiedensten Arten, alles hängt zusammen und ist super aufregend. Lila und Elena gehen ihre eigenen Wege und wir als Leser begleiten sie gerne dabei. Was ich sehr speziell an der Geschichte finde ist, dass mir keine der beiden Charaktere durch und durch sympathisch ist und ich glaube gerade das macht das Buch so gut. Wir kennen ihre Fehler, wir kennen alle ihre Gedanken und bleiben ihnen trotzdem treu, auch wenn wir merken, dass nicht alles gut ist, was sie machen. Es wird richtig authentisch und ich konnte eine sehr starke emotionale Bindung aufbauen. Das Buch habe ich in den Herbstferien gelesen, also Ende Oktober. Den Post hier verfasse ich im Dezember und ich merke, wie ein gewisses Gefühl von Wehmut in mir aufkeimt, ich vermisse das Lesen dieses Buches, schon jetzt bin ich total gespannt auf den vierten und letzten Teil dieser Reihe. Als ich dort in den Herbstferien war konnte ich mich aber auch zu hundert Prozent auf die Geschichte einlassen, ich war in Italien selbst, ganz in der Nähe des Rione, ich habe das Strassenitalienisch gehört, ich habe die Landschaft gesehen, die Sonne gespürt, ich war am Meer, es hat einfach alles perfekt in die Atmosphäre gepasst und das war wunderschön. Ich könnte noch so viel sagen zu dem Buch, es löst in mir so viele Gedanken aus, so viele Gefühle und Emotionen, die man allerdings selber spüren lernen muss. Elena Ferrante schreibt kein Buch, das eine spezielle Krise anspricht, oder sonst was, sie schreibt ein Buch über das Leben. Ich habe so viel gelernt, es war eine wunderschöne Lesereise und ich lege euch ganz fest ans Herz euch etwas Zeit zu nehmen und in diese Geschichte einzutauchen, man muss sich darauf einlassen und dann ist man auch schon verfallen... 



Kukolka von Lana Lux | Buchbesprechung

17 Januar 2018

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Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle.
Lana Lux hat einen gnadenlos realistischen Roman über Ausbeutung, Gewalt und Schikane geschrieben, über ein Leben am Rande der Gesellschaft, geführt von einer Heldin, die trotz allem schillernder nicht sein könnte.

In diesem Roman ist immer zu die Rede von Winter. Es scheint kaum jemals die Sonne, das Gefühl, das Lana Lux dem Leser vermittelt, ist düster, perspektivenlos, hart, eiskalt und die nackte Wahrheit. Ich habe es an nur einem einzigen Ferientag in einer warmen Stube in den Schweizer Alpen durchgelesen. Schon lange hat mich kein Buch mehr so gerührt und gefesselt wie dieses hier. Das liegt bestimmt zu einem Grossteil daran, dass ich es verschlungen habe. Der Schreibstil ist leicht, sehr umgangssprachlich und sehr passend zur Geschichte - genau das macht sie wohl so authentisch. Alles wird bis ins kleinste Detail genau beschrieben, jeder beschriebene Ort konnte ich mir genau vorstellen, die Gefühle habe ich so genau gespürt, als wären sie meine eigenen. Die Protagonistin dieses Buches heisst Samira. Sie erzählt uns ihre Geschichte, die 1993 beginnt, als sie sieben Jahre alt war. Samira wurde nie bei ihrem Namen genannt, sie war immer Kukolka. 


Alle nannte man immer mit ihrem Namen, nur ich war erst Kukolka und dann Krysa. Von Püppchen zu Ratte. Ein derber Abstieg.
Kukolka, Seite 358

Mit sieben Jahren ist das schöne Mädchen aus dem Kinderheim ausgebrochen, sie möchte zu ihrer Freundin Marina, die bereits nach Deutschland adoptiert wurde, wird allerdings von Rocky abgefangen, er führt sie in sein Haus, dort lebt sie für die nächsten Jahre zusammen mit anderen Kindern, die kein Zuhause mehr haben. Ihr Job ist das Betteln und Klauen. Ähnlich wie bei Oliver Twist, lebt Samira in einem solchen abgekommenen Haus und wird zu einer kleinen Diebin gemacht. Oliver und Samira haben sowieso viel gemeinsam, beide sind sie Waisenkinder, beide sind sie noch jung, beide sind sie aus dem Heim abgehauen, beide sind sie sehr starke Charaktere, die man unglaublich schnell ans Herz schliesst, beide können sie sich einer Diebesgruppe anschliessen, beide leben sie ihren Traum. Rocky nimmt in dieser Geschichte die Rolle von Fagin ein, beide treiben sie illegale Geschäfte und bereichern sich durch die Arbeiten der Kinder. Samira hat nicht nur atemberaubend schöne Augen, sondern ist auch eine talentierte Sängerin. Bald verdient sie am meisten Geld durch ihr Gesangtalent. Dieses führt sie schlussendlich auch nach Deutschland, wo weitere Schicksalsschläge auf die junge Schönheit warten. 

Aber stimmt, ich korrigiere mich, es gibt zwei Sachen, die immer helfen - Wodka und Musik. 
Kukolka, Seite 137

Ich habe es geliebt dieses Buch zu lesen, ich habe selten so sehr mit einer Protagonistin mitgefiebert und mitgelebt. Sie hat mich zu tiefst berührt. Das Buch ist auf der einen Seite so traurig, so grau und so perspektivelos und doch spürt man die Willens- und Überlebenskraft, die Hoffnung und die Kraft seine Träume nicht loszulassen. Nachdem ich das Buch zugeschlagen habe, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Liebe ist Vertrauen. Das habe ich einmal auf einer Werbung für Kondome gelesen. 
Kukolka, Seite 308

Neben dem wahnsinnigen Inhalt, hat mich auch das Cover absolut faszinieren können. Das hübsche Mädchen hat mich im Buchladen gerade zu angelächelt, ich habe mich in das chaotische Wohnzimmer verliebt, es sieht so aus, als würde man sich darin wohlfühlen. Das hört sich relativ paradox an, das zu sagen, wenn man das Buch gelesen hat. Aber es ist irgendwie so, der Raum sieht so einladend aus... Zur Autorin: Lana Lux ist 1986 in der Ukraine geboren und im Alter von zehn Jahren mit ihrer Familie als Kontingentflüchtling nach Deutschland geflohen. In einem Interview mit der Jetzt habe ich noch einiges über die Beweggründe der Geschichte erfahren, was ich sehr spannend fand. Schaut unbedingt rein, hier der Link. Samiras Geschichte ist Lana Lux quasi zugeflogen, als sie das berühmte Bild des afghanischen Mädchens mit den hellen Augen sah. Ich bin beeindruckt von dieser bildhübschen Autorin und ihrem Debütroman, ich empfehle ihn euch wärmstens. Er ist für mich von vorne bis hinten aufgegangen, mein Herz ist aufgegangen.


Oh, Simone von Julia Korbik | Buchbesprechung

13 Januar 2018

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 „Ich möchte vom Leben alles!“
Simone de Beauvoir: Große Denkerin des 20. Jahrhunderts, eine Ikone des Feminismus – aber warum sollten sich junge Frauen für sie interessieren? Weil sie fantastische Romane und präzise Analysen gesellschaftlicher Entwicklungen schrieb und ihrem Partner Jean-Paul Sartre an analytischer Schärfe in nichts nachstand; eine Frau, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ihre Freiheit kämpfte, emanzipiert und unabhängig.
Julia Korbik wirft einen frischer Blick auf die Frau, die Schriftstellerin, die Philosophin und die Feministin. Simone de Beauvoir schillert in ihrem Buch in all ihren Facetten: Man erfährt, welche Themen sie interessierten, welche Bücher sie las, welche Personen ihr nah standen, was sie inspirierte und wie ihr Alltag aussah. Oh, Simone! überrascht, lädt zum Stöbern ein und zeigt: Es lohnt sich, kritisch zu denken und das zu tun, wofür man brennt.


Die charmante Julia Korbik durften wir bereits 2016 n der Frankfurter Buchmesse kurz kennenlernen. Vorher, danach aber deutlich intensiver, geniessen wir ihre überwiegend feministischen Beitrage auf diversen Onlineplattformen. Unter anderem führt sie selbst einen Blog namens 'Oh, Simone', welcher der grossartigen Simone und ihrer persönlicher Beziehung zu der französischen Intellektuellen gewidmet ist Wir wissen natürlich nicht genau, wie lange die Idee zu diesem Buch schon feststand, freuen uns jetzt aber sehr darüber.

Es beginnt schon wunderschön, gleich mit einem Zitat, welches es danach auch in mein Tagebuch geschafft hat.

Ich liebe ds Leben so sehr und verabscheue den Gedanken, eines Tages sterben zu müssen. Und ausserdem bin ich schrecklich gierig, ich möchte vom Leben alles, ich möchte eine Frau, aber auch ein Mann sein, viele Freunde haben und allein sein, viel arbeiten und gute Bücher schreiben, aber auch reisen und mich vergnügen, egoistisch und nicht egoistisch sein...
 

Darauf folgt neben einer Karte des beauvoir'schen Paris, welche neben privaten Plätzen auch öffentliche Bibliotheken und Buchläden beispielsweise verzeichnet hat. Dann folgt das Leben der Simone in sechs verschiedene Aspekte eingeteilt: Werden, Lieben, Denken, Schreiben, Handeln und Kämpfen. Diese Einteilung gefällt mir sehr gut, und ich störte mich auch nicht im geringsten daran, dass einige Erlebnisse vielleicht zweimal vorkommen, durch die unterschiedlichen Standpunkte, von welchen aus sie dann beleuchtet werden.

Julia Korbik schreibt mit viel Herzblut und Begeisterung für Simone de Beauvoir, hinterfragt aber gewisse Teile, wa sehr gut tut und vor allem ihrem Ziel mit dem Buch hilft: Beauvoir einerseits von dem Thron zu holen, auf welchen sie viele unterbewusst stellen (ihr 'Le Deuxieme Sèxe' gehört zum meist zitierten und am wenigsten gelesenen feministischen Fachbücher). Gleichzeitig holt sie sie aber auch aus dem Schatten Sartres, ein Platz, den sie zu keinem Zeitpunkt verdient hat. 

Ausserdem werden die vielen Inspirationen ihres Lebens vorgestellt und differenziert betrachtet: Schriftsteller*Innen ebenso wie philosophische Ansichten. Daraus ergibt sich ein Bild dieser faszinierenden Frau und ein wunderbares Einstiegs- und Hintergrundwerk für de Beauvoir ebenso wie beispielsweise den französischen Feminismus oder den Existenzialismus.

Weihnachtsbücher

07 Januar 2018

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Ich finde es immer etwas komisch, Weihnachten zu feiern. Alles soll so entspannend und schön und besinnlich sein, wirkt aber immer mehr wie purer Stress. Gerade als nicht gläubige Person hat das Datum für mich sowieso wenig Bedeutung und dieses Feiern unserer Konsumgesellschaft ist ja auch fragwürdig. Trotzdem freue ich mich natürlich immer, wenn Menschen an mich denken und das auch mit einem Geschenk ausdrücken, genauso wie ich das gerne bei anderen mache. Ich habe Bücher von und teilweise über starke Frauen bekommen und möchte euch die heute gerne vorstellen.


Oh, Simone von Julia Korbik

Simone de Beauvoir: grosse Denkerin des 20. Jahrhunderts, eine Ikone des Feminismus - aber warum sollten sich junge Frauen für sie interessieren? Weil sie phantastische Romane und präzise Analysen gesellschaftlicher Entwicklungen schrieb und ihrem Partner Jean-Paul Sartre an analytischer Schärfe in nichts nachstand: eine Frau, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ihre Freiheit kämpfte, emanzipiert und unabhängig.
Julia Korbik wirft einen frischen Blick auf die Frau, die Schriftstellerin, die Philosophin und die Feministin. Simone de Beauvoir schillert in diesem Buch in all ihren Facetten: Man erfährt, welche Themen sie interessierten, welche Bücher ie las, welche Personen ihr nahestanden, was sie inspirierte und wie ihr Alltag aussah. Oh, Simone überrascht, lädt zum Stöbern ein und zeigt: Es lohnt sich, kritisch zu denken und das zu tun, wofür man brennt.


Bereits auf den ersten paar Seiten wusste ich, dass das Buch alles hält, was es verspricht. Julia Korbik durften wir letztes Jahr auf der Buchmesse kurz kennenlernen, nachdem wir vor allem Artikel von ihr lasen (der feministische Jahresrückblick 2016 gehört immer noch zum Besten, was wir je im Internet fanden. Wir hoffen auf ein Update, jetzt zum Jahresende) und durch ihr Buch 'Stand Up' stöberten, welches den Feminismus in all seinen Facetten und mit all den Menschen, die er hervorgebracht hat, vorstellt. In diesem Buch geht es natürlich vor allem um eine: Simone de Beauvoir. Korbik möchte de Beauvoir von diesem unsichtbaren Podest runterholen, auf den wir sie gedanklich immer stellen, wenn wir sie zitieren, ohne ihre Schriften gelesen zu haben, wenn wir sagen: 'Ach, de Beauvoir! Von ihr sollte ich auch mal was lesen...'. Gleichzeitig aber holt Korbik sie aus dem Schatten Sartres und geht auf ihr Leben, ihr Schaffen, ihr Sein und Lieben ein und das auf eine phantastische Weise, die das Buch fast zu einem Roman macht.

Die Argonauten von Maggie Nelson

Es ist die Geschichte einer Liebe: Maggie Nelson verliebt sich in Harry Dodge, einen Künstler - oder eine Künstlerin?  - mit fluider Genderidentität. Harry hat bereits ein Kind, Maggie wird schwanger, zu viert bauen sie ein gemeinsames Leben. Die Argonauten  ist eine ergreifende Geschichte queeren Familienlebens, zugleich erfindet Maggie Nelson eine ganz eigene, leuchtend klare Form der philosophischen Erkundung, Memoir, Theorie, Poesie: Es ist ein Buch, das sich nicht einordnen lässt und das unsere Einordnungen herausfordert mit seinem radikal offenen Denken. Dem Festhalten an fixen Kategorien setzt es den Gedanken des permanenten Werdens entgegen: das Leben als freie - und befreiende - Improvisation.


Das englische Original wurde von aller Welt gelesen und mir empfohlen - und ich freue mich sehr, das Buch jetzt in den Händen halten zu dürfen. Maggie Nelson als Autorin hat schon einiges hervorgebracht, was mich anspricht, aber das ist das erste Buch von ihr, dass ich besitze. Einige Freundinnen und Freunde von mir interessieren sich auch sehr dafür, einfach, weil es sich so anders als alles anhört, was wir bereits kennen. Und dabei ist noch nicht mal der Inhalt gemeint, sondern viel mehr die Form, die jegliche wichtige Intellektuelle zitiert und selber zwischen Sachbuch, Roman und persönlichem Tagebuch zu schwanken scheint. Ich bin sehr gespannt.

Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke von Susan Sontag (Tagebücher 1964-1980)

Mein Leben ist mein Kapital, das Kapital meiner Vorstellungskraft. Susan Sontags Tagebücher sind Spiegel dieses Selbstverständnisses, das bei dieser Frau des Geistes von je her auch ein politisches war. Davon zeugen eindrücklich ihr Aufenthalt in Hanoi, das sie 1968 während des Vietnamkriegs mit einer Delegation amerikanischer Kriegsgegner besuchte, und weitere Reisen nach China, Marokko und Israel. Die Jahre zwischen 1964 und 1980 sind geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit der eigenen Herkunft und Erziehung und der Auseinandersetzung mit der Kunst John Cages und Marcel Duchamps, mit Paul Bowles, Jasper Johns und vor allem Joseph Brodsky. Ausserdem entstehen während jener Zeit Sontags bedeutendste Bücher, darunter Kunst und Antikunst, Über Photographie und Krankheit als Metapher. Susan Sontag, der im Leben 'nichts rätselhaft' erschien, 'nur die Liebe', begegnete diesem Rätsel in der Form einer ständigen Selbstbefragung. Wo sie im Schreiben bis an die Grenzen ihrer Person stösst, tun sich ihr, und ihrem Leser, oft die erstaunlichsten Erkenntnisse auf, über die Kunst, das Denken und sie selbst.


Susan Sontag und ihre Worte begleiten mich jetzt schon länger, und ich liebe vor allem ihre Essay(bände). Aber in ihren Tagebücher soll es mehr um sie als Person gehen, und deswegen fasziniert mich dieses Buch schon lange sehr. Es ist sehr umfangreich und natürlich keine reine Prosa. Ich freue mich aber sehr auf die Anarchie ihrer Gedanken und Empfindungen, auf dieses 'Zeugnis der Reifejahre einer der aussergewöhnlichsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und das politische und künstlerische Vermächtnis dieser'.

Kennt ihr diese Bücher, habt ihr sie schon gelesen?
Welches spricht euch am meisten an?





WIR SIND ZURÜCK, was war und kommt

01 Januar 2018

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Wir sind zurück. Das hoffen wir zumindest beide ganz fest. 2017 war Blog technisch gesehen ein sehr erfolgreiches Jahr - ganze 94 Posts haben wir verfasst, wir haben uns zu zweit gut arrangieren können, gemeinsam haben wir etliche Stunden in die Blogarbeit gesteckt und sind sehr glücklich darüber, hier eine Plattform für unsere Gedanken zu haben. Danke, dass du uns als Leser*in treu geblieben bist und uns auf unserem weiteren Weg begleiten willst. Das muss auch einfach mal gesagt werden! Ende Jahr kommen bekanntlich ja immer die Emotionen hervor... 

Einige mögen vielleicht bemerkt haben, dass wir seit Anfang November nichts mehr gepostet haben, das kam einfach so, plötzlich haben wir beide kaum noch gelesen und uns ist irgendwie alles etwas über den Kopf gewachsen, die Motivation für den Blog ist irgendwie verschwunden, es wurde zu viel und die Lust hier weiter zu machen, war nicht wirklich da... Auch der Druck ist irgendwie weggefallen und das ist ziemlich angenehm, und doch möchten wir das hier auf keinen Fall aufgeben. Das neue Jahr, 2018, ist eine wunderbare Gelegenheit dieses 'Projekt' hier erneut zum Laufen zu bringen und wir freuen uns darauf! Dennoch wird es wohl einige Herausforderungen geben. 

Das Gute am Bloggen ist, wir können dies unabhängig voneinander an verschiedenen Orten tun, vorausgesetzt wir haben eine Internetverbindung. Deshalb wird es wohl auch kein so grosses Problem sein, dass Anaïs ab Mitte Januar für ein Semester in die Westschweiz verreisen wird. Genf ist eine der grössten Städte der Schweiz und es wird dort Französisch gesprochen. Mara bleibt in Zürich. Wir beide sind im Moment im vorletzten Jahr und haben einiges zu tun. Das war mit und auch ein Grund, weshalb hier für kurze Zeit Stille geherrscht hat. Doch wie gesagt, unsere Stimmen sind zurück. 

Was war...

...Bücher
Anfang 2017 haben wir eine Liste mit zehn Büchern erstellt, die wir in diesem Jahr gerne lesen würden, nicht annähernd haben wir dieses Ziel erreicht und doch haben wir einige gelesen und wurden mehrheitlich nicht enttäuscht. Hier findet ihr zum Post. Aber neben den Büchern aus dieser Liste haben wir auch einige Andere gelesen, auf unserm Blog findet ihr zu den meisten dazu eine Rezension. Es waren etliche Bücher dabei, verschiedenste Genre, gute und schlechte Bücher. Auch wenn wir beide unglaublich gerne ausprobieren, haben wir wohl langsam unseren Lesegeschmack gefunden und nur noch selten greifen wir zu Büchern, die uns gar nicht zu sagen. Schön eigentlich. Wollt ihr wissen, welche uns am meisten zusagten dieses Jahr? Dann widmen wir diesen Schätzen gerne noch einen eigenen Beitrag. 

...Projekte
Dieses Jahr haben wir beide vor allem an zwei grössere Projekten gearbeitet und euch immer mal wieder etwas daran teilhaben lassen. Im November haben wir eine Theateraufführung gehabt. Das Stück haben wir zu fünft selbst entworfen und gingen voller Elan und mit viel Herzblut an die Sache ran, es entstand im Rahmen einer Abschlussarbeit des Gymnasiums und hat uns sehr viel Freude bereitet, es war unglaublich inspirierend. Seit Dezember letzten Jahres schreiben wir beide als so genannte Stadtbeobachterinnen für das Junge Literatur Labor Zürich, das JULL. Wir betrachten Zürich aus einem neuen Winkel und schreiben unsere Beobachtungen nieder, wir haben eine tolle kleine Gruppe von fünf Leuten und geniessen die Treffen und den regen Austausch. Ab Januar schreiben wir im Rahmen des Reformationsjubiläum abwechslungsweise eine Kolumne für die Reformiert Zeitung. Sie sind konfirmiert oder konfes­sionslos, reformiert oder katholisch. Sie sind zwischen sechzehn und neunzehn Jahre alt. Der Glaube ist ihnen wichtig, egal oder fremd. Von der Kirche und der Reformation haben sie alle wenig Ahnung.  

...Kultur
2017 sind wir beide viel herumgekommen. Paris, Lissabon, London, Rom, die Bretagne und sogar Mexiko haben wir bereist und erforscht. Wir haben Neues gesehen und Altes wiederentdeckt und uns sehr gefreut. Verschiedene Theater haben wir uns angesehen, Filme geschaut, Konzerte und Festivals besucht und einige Ausstellungen angesehen. Tatsächlich war es die Schule, die uns dazu trieb, im grossen Freund_innenkreis Museumsbesuche zu unternehmen. Diesen Tag haben wir wirklich sehr genossen und gemerkt, wie gerne wir gemeinsam unterwegs sind und wie anregend ein solches Vorhaben auch sein kann. Deswegen nehmen wir uns 2018 vor, mehr gemeinsam in Museen zu gehen, mehr über Kunst und Literatur und Filme zu diskutieren...

...wir zwei
Freundschaften sind nicht immer leicht zu bestreiten, es gibt einige unschöne Momente, schwere Phasen und auch wir beide haben es nicht immer einfach zu zweit. Dieses Jahr gab es Zeiten in denen wir uns ganz nah war, aber auch solche in denen die Andere ganz weit weg schien. Doch das schöne ist, wir haben noch immer wieder zueinander gefunden, wir sind so froh, uns zu haben, das macht uns glücklich - und alle um uns herum. Wir haben uns, wir werden uns immer haben, wir sind ein gutes Team und wir mögen uns. Wir zwei, wir halten zu uns und mehr brauchen wir gar nicht.  

...und vieles mehr

Was kommt...

Wir haben uns etwas weniger vorgenommen für 2018. Alles ist noch etwas ungewiss und wir möchten uns mit dem Blog keinen zu grossen Stress machen, noch immer soll es eine Art Hobby bleiben, das uns gefällt. Unser Plan ist allerdings folgender: Monatlich werden mindestens fünf Beiträge auf unserem Blog erscheinen, jeweils zwei von Mara und zwei von Anaïs. Und dann Ende Monat ein Monatsrückblick, die haben wir nämlich immer gerne selber gestaltet und finden auch, dass sie recht schön geworden sind. Falls uns mehr einfällt, falls wir Lust auf mehr haben, werden wir selbstverständlich auch mehr posten. Die Themen bleiben wohl mehrheitlich die selben: Hauptsächlich natürlich Literatur, wir lieben Bücher nach wie vor, Lesen mit voller Begeisterung und geniessen es darüber zu schreiben. Dazu gehören natürlich auch Buchhandlungen und eigene Texte. Wilde Welt - Politik ist ein Thema, das uns sehr wichtig ist und auch darüber möchten wir häufiger schreiben, um nur Feminismus als eines der uns am Herzen gelegenen Themen zu benennen. Kultur ist weiterhin ein Bereich, der uns sehr fasziniert. Kunst, Theater, Musik, Film... 

Wir freuen uns. Auf ein Gutes 2018. 



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