gegen rechtsextremismus | frankfurter buchmesse 2017

25 Oktober 2017

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Nun ist es also über ein Jahr her, seit Anaïs und ich uns auf den Weg nach Frankfurt gemacht haben. Seit wir dort einige schöne Tage verbracht haben, über das Messegelände geschlendert sind und Bekanntschaften gemacht haben. Seit wir unzählige Bücher angeschaut und entdeckt haben, seit wir ein vollgefülltes Programm hatten, seit wir so viel Zeit zusammenverbracht haben. Seit wir im Amnesty-Bus auf der Agora waren und über die humanitären Probleme von Ländern gehört haben, die sich weniger glücklich schätzen können als wir. Seit wir Julia Korbik kennenlernen durften, die wir für ihre feministischen und politischen Texte und Bücher so schätzen. Seit wir in uns in einer winzigen Box für je 7 Minuten aufgehalten haben, um nachzuempfinden, was eingesperrte Blogger erleben. Damit möchte ich sagen, dass wir die Messe sehr intensiv erlebt haben, und das nicht nur auf Bücher und Lesestoff bezogen. Wir haben dort Orte und Menschen mit grossem Bewusstsein und grossen Taten getroffen, wir haben viel Leidenschaft und Nächstenliebe von andern bewundern dürfen, wir haben mit vielen Menschen gesprochen und ihren Einsatz von Herzen geschätzt, wir haben uns politisch, zumindest ein kleines bisschen, weitergebildet. Und deswegen war es sehr schade, dass wir dieses Jahr die Reise nicht antreten konnten.




Dann jedoch drangen die Medien zu uns durch, die Tweets und die vereinzelten Blogposts. Reisserische Titel wie 'Nazis auf der Buchmesse', die mich jedoch skeptisch stimmen. Natürlich ist mir bewusst, dass es Verlage gibt, die rechtes oder rechtextremes Gedankengut in Buchform veröffentlichen und dem eine Plattform bieten. Genauso, wie es linke Verlage gibt, die wir lesen, lieben, unterstützen, schätzen. Dass erstere sich jedoch diesmal auf der Buchmesse breitmachten mit zahlreichen Podiumsdiskussionen und Lesungen, bei welchen Ehrengäste Mitglieder der AfD oder der Identitären sind, ist nicht okay. Meinungsfreiheit hin oder her - wenn diese Meinung diskriminierend und menschenverachtend ist, hat sie auf einer Buchmesse nichts verloren. Denn Büchern bieten uns Türen zu anderen Welten, in denen nicht so viel schlimmes passiert. Oder in Welten, in denen der Kummer vor der Haustür oder im eigenen Haus sitzt, wenn man ein solches überhaupt hat. Oder in Welten, in welcher alle gleich sind. Oder in Welten, die es mal gab, in der man als Jude*Jüdin diskriminiert wurde. Dass wir uns der Macht von Büchern bewusst sind, ist selbstverständlich, denn wir alle lesen gerne und haben eine gewisse Ehrfurcht vor Worten. Bücher sind etwas intellektuelles, und ja, meine Ansicht mag veraltet sein, aber rechtsextremes Gedankengut war noch selten intellektuell. Dafür kann es viel anderes: Menschen beleidigen und diskriminieren, Angst machen und hetzerisch sein. Rechtsextremes Gedankengut hat zum Beispiel den Holocaust zu Stande gebracht und macht jetzt allen Menschen in unseren Ländern Schwierigkeiten, die keine rein weisse Hautfarbe haben, keine perfekte Aussprache oder einfach kein Glück bei dem Land, in dem sie geboren wurde. Und deswegen ist es nicht in Ordnung, dass rechtsextreme Verlage eine Plattform geboten bekamen.

Wir waren nicht vor Ort und wissen deshalb auch nicht, wie viele Blogger*innen auf 'Jeder hasst die Antifa!' 'Siamo tutti antifascisti' geantwortet hat. Vielleicht keine*r, wir vielleicht auch nicht. Die Situation sah beängstigend aus. Aber jetzt ist es Zeit, dass wir unsere Stärke nutzen, und das sind unsere Blogs, unsere Plattformen. Spread the word, spread the love, gegen Rechtsextremismus auf der Buchmesse, gegen Rechtsextremismus im Netz, gegen Rechtsextremismus in der Welt.
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