piper perish | buchgedanken

24 September 2017

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Piper Perish von Kayla Cagan Deutsch von Maren Illinger


Piper, ihr Freund Enzo und ihre beste Freundin Kit haben keine Lust, normal zu sein. Sie wollen das Leben fühlen, ihren Träumen folgen, sich von nichts aufhalten lassen. Und sie wollen nach New York. Zusammen! Doch dann geht alles schief: Kit fällt durch die Aufnahmeprüfung für die Kunsthochschule. Und Pipers grosse Liebe Enzo gesteht ihr, dass er sich verliebt hat - in einen Jungen. Pipers Pläne sind plötzlich nur noch das reinste Chaos, aber unerschütterlich hält sie daran fest. Denn weniger, kleiner, vernünftiger oder einfach ist für Piper keine Option. Sie will leuchten.




Ich glaube ziemlich fest daran, dass dies ein polarisierendes Buch ist. Ihr kennt es - entweder, man liebt es, oder man kann es gar nicht ab. Lustigerweise sage ich das, obwohl ich es ganz okay fand. Angenehme Abwechslung, aber nichts unglaublich tolles. Das liegt natürlich einerseits daran, dass ich mich in letzter Zeit ziemlich von Jugendliteratur abgewendet habe und mich mit anderem beschäftige. Aber der Aspekt der Kunsthochschule konnte mich dann wieder für das Buch gewinnen. Das Konzept scheint erfrischend anders und neu - altbekannte Abstecher in Jugendbuchklischees sind zwar hin und wieder vorgekommen, aber nicht der Fokus. Der liegt auf der 18jährigen Piper, die ein bisschen anders als die typische Heldin ist. Liebenswürdig durch die Trotteligkeit, aber auch ein bisschen nervig. Erwachsen, in vielen Aspekten aber etwas unreif. Ich kann verstehen, wenn nicht alle mit ihr klarkommen. Aber auf mich wirkte sie ziemlich authentisch - in eigenen Problemen verschachtelt und ohne Welterfahrung, die man in diesem Alter einfach noch nicht hat. Dafür aber in sich selbst sehr vielfältig und differenziert. Sie beschäftigt sich viel mit Kunst und Andy Warhol, mit Literatur und Zitaten, mit Mode und Gesellschaftlichem und ist mir deshalb auch sehr sympathisch. Ein bisschen nervig ist die ganze Krise, die sie hat, ausgelöst durch ihre Schwester. Diese war wiederum das Gegenteil eines liebenswürdigen Charakter. Ja, Geschwister streiten sich wohl oft, aber diese unverhohlene Agressivität war wirklich in keinster Weise nachvollziehbar und regt mich auch immer wieder ganz schön auf. Durch die Tagebuchform kriegen wir Pipers Gefühle und Gedanken natürlich auf intimste Weise mit, und das ist irgendwie hier ganz schön gelöst. Denn es wird mir an keiner Stelle zu pathetisch oder zu kitschig, nie artet es irgendwie allzu sehr aus - was eigentlich völlig okay wäre. Aber die Geschichte bewegt sich in einem kontinuerlichen Strahl vorwärts (trotz Holpersteine), und das liess es mich ziemlich schnell fertiglesen. Mit einigen Figuren und ihren Schicksälen habe ich wirklich mitgefiebert, und das war eine schöne Erfahrung. Protagonist*innen in meinem Alter, die echt und mit Fehlern gezeichnet sind, aber das Beste aus der Situation machen. Ein bisschen wie gute Bekannte, die man mag und mit denen man hin und wieder austauscht. Dennoch glaube ich, dass viele die Figuren nicht vertragen und vor allem mit Pipers Schwester ihre Probleme haben werden. Wem unsympathische Nebencharaktere aber nichts ausmachen (ich persönlich finde ja, dass die eigentlich ganz okay sind und oft dazugehören - wer hat denn niemanden im Leben, der immer wieder mal nervt?) - auch wenn dieses Exemplar sehr heftig ist -, der kann sich ruhig an dieses Buch wagen und wird mit einer Geschichte für Jugendliche belohnt, die das Beste aus diesem Genre zieht und ein spannendes und kurzweiliges Buch zaubert. Auf eine ganz eigene Weise.

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