extrem laut und unglaublich nah | buchbesprechung

27 September 2017

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Extrem laut und unglaublich nah von Jonathan Safran Foer Deutsch von Henning Ahrens


Oskar Schell ist altklug und naseweis, hochbegabt und phantasievoll. Eine kleine Nervensäge, die schon mit neun Jahren eine Visitenkarte vorweist, auf der er sich als Erfinder, Schmuckdesigner und Tamburinspieler ausweist. Vor allem aber ist Oskar todtraurig und tief verstört. Nachdem sein Vater beim Angriff auf das World Trade Center ums Leben kam, will er herausfinden, warum Thomas Schell sich ausgerechnet an diesem Tag dort aufhielt. Mit seinem Tamburin zieht Oskar durch New York und gerät in aberwitzige Abenteuer.


Wenn ein Buch New York ist, dann dieses hier. Und pure Sommerferien-Lektüre, auf die etwas andere Art - vielleicht für Stadtliebhaber_innen wie mich. Ich muss zugeben, als damals der Film erschien, schreckte mich dieser ab. Wenn auch er gut war, konnte er mich nicht wirklich überzeugen, die Stimmung konnte mich einfach nicht richtig abholen. Deswegen wollte ich es eigentlich auch nicht mit dem Buch probieren. Es war die Zeit, in der ich begann, mich für Typographie und Grafik Design zu faszinieren, und das Cover begegnete mir überall, schreite und lachte mich an, und ich liebte es. Als ich dann dieses Jahr für kurze Zeit in Berlin war, blickte es mich mal wieder an, mit einem anzüglichen Augenaufschlag, dem ich nicht widerstehen konnte. Kurzum, nun war es doch in meinem Buchregal, und deswegen wollte ich es auch möglichst schnell lesen. Ausserdem eignen sich dicke Taschenbücher einfach super für die Ferien.




Oskar Schell ist eine eigenartige Figur, die man sofort, aber wirklich sofort ins Herzen schliesst. Ich denke, trotz seiner Eigenarten, kann sich jeder Mensch mit einer seiner verrückten Eigenschaften identifizieren, und deswegen begleitet man seine Reise durch New York mit der gleichen Leidenschaft und mit dem gleichen beinahe süchtigen Verlangen nach einer Auflösung. Und genau das ist das Schöne an dem Roman - es lässt uns einige Dinge aus anderen Blickwinkeln sehen, aus dem eines kleinen Jungens, aus dem eines älteren Mannes, aus dem einer einsamen Frau. Das Buch erzählt so geschickt und ohne aufzufallen die Geschichte einer Stadt, die Geschichte einer Generation vielleicht sogar auch. Die Geschichte von Traurigkeit und 'Happiness' und der Balance von beiden Emotionen. 'Extrem laut und unglaublich nah' geht tatsächlich nah, auch wenn es ein eher schnell weg zu lesendes Buch ist. Denn es sind diese Gefühle, die irgendwas in uns wiedererkennt: Verlassen zu werden, aber sich doch geliebt und behütet zu wissen. Vielleicht ist das Buch eher noch die Geschichte von Familien. Von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Familien. Von Stabilität und von Zerbrechlichkeit von Familien.


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