volkshaus buchhandlung

18 Juni 2017

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Die Volkshause Buchhandlung gehört zum - offensichtlich gleichnamigen - Volkshaus. Dieses liegt gerade am Helvetiaplatz, wo ständig Demonstrationen starten und aufhören. So ist die Buchhandlung auch mit einer sehr linken, politischen Auswahl versehen und gehört damit zu unseren Allerliebsten. Man findet hier womöglich nicht immer exakt das, was man sucht, da der Buchladen eher klein ist, dafür entdeckt man unzählige neue Bücher und Magazine. Gerade auch kleinere, unbekannte und unabhängige Verlage, die spannendes, politisches Programm veröffentlichen, finden hier eine prominente Bühne. Wir stöbern gerne auch mal länger durch die gut sortierte Buchhandlung. Und wir hatten auch schon eine private Stöbertour, als ich mit einer Freundin nach der Öffnungszeiten vorbeilief und mal wieder das Schaufenster studierten - spontan wurden wir reingelassen und unser Einkauf mit Prozenten aus dem Nichts versehen. Die Leute sind also wirklich unglaublich freundlich, das ist der Beweis.





Die Buchhandlung befindet sich auf drei Stöcken, der oberste ist dabei eine Art Gallerie. Sie sind folgendermassen aufgeteilt:
Im Erdgeschoss findet sich aktuelle Belletristik, sowie eine riesige Auswahl an Taschenbücher. Hier ist ebenfalls eine grosse Bahnbreite an politischer Literatur und politischen Sachbüchern vertreten  und es findet sich auch Poesie. 
Im Keller wird jede/r zum Thema Feminismus fündig! Auch wir entdecken jedes Mal unzählige neue und besonders interessante Bücher zu unserem Lieblingsthema. Neben Feminismus gibt es auch einige Regale rund ums Thema Reisen und sogar eine Abteilung für Kinderliteratur. 
Im oberen Stock auf der Galerie hat man einen tollen Ausblick auf den restlichen Laden. Neben Kunstbüchern, Büchern zu Musik und Theater findet man auch ein relativ breites Sortiment an DVDs, Filmen und Serien. Und der Laden hat auch eine kleine, aber extrem feine Auswahl an englischen Büchern!




Dank der tollen Lage bietet es sich an, einen wunderschönen Samstag im Umkreis zu verbringen - gleich vis à vis an den Kanzleiflohmi (Flohmarkt immer samstags) zu gehen, der beste, schönste und spannendste in der Stadt. Und wenn es nicht so tolles Wetter ist kann man es sich auch im Kino Xenix  gemütlich machen. Zahlreiche Cafés befinden sich auch in der Umgebung, wie erwähnt das Volkshaus Café oder ein eher neueres; das Café Bank. Und wer auf Vintage und Vinyl Platten steht, der ist bestens bedient - im Umkreis von 100 Metern um die Buchhandlung befinden sich gleich zwei verschiedene Plattenläden!



Volkshaus Buchhandlung

Stauffacherstrasse 60
8004 Zürich


Besonderheiten
+ grösste Auswahl an politischen Büchern
+ extrem freundliches Personal
+ gute Lage
+ hat 'WE SHOULD ALL BE FEMINISTS' immer auf Lager ;)
+ eigene, grosse 'Feminismus'-Abteilung
+ gute Auswahl an englischen Büchern
+ schöne Poesie-Abteilung
+ Bücher über Musik und sogar Theater
+ rückt unabhängige Verlage ins Spotlight

du & ich, best friends for never | buchbesprechung

16 Juni 2017

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Die meisten Geschichten erzählen von großen, ungewöhnlichen Freundschaften. Von Freunden, die durch dick und dünn gehen und sich niemals im Stich lassen. Hilary Smith erzählt eine Freundschaftsgeschichte mal ganz anders: Denn kann das Ende einer Freundschaft nicht auch ein Beginn sein?

Annabeth und Noe. Noe und Annabeth. So war es schon immer. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne für die Studentenzeit in Paris. Sie würden einen Goldfisch besitzen, die Nächte durchquatschen und lauter wilde Partys feiern. Als sich die Schulzeit dem Ende nähert, ist Annabeth daher bereit - bereit für alles. Für eine gemeinsame Zukunft mit ihrer besten Freundin. Doch plötzlich ändert Noe ihre Pläne. Es gibt einen Jungen an ihrer Seite, eine andere Universität ist im Gespräch und die gemeinsamen Nachmittage finden immer seltener statt. Die Freundschaft erscheint wie ein alter Lieblingspulli: ehemals heiß und innig geliebt, jetzt kratzig und viel zu eng. Annabeth muss sich fragen, ob sie bereit ist, Noe aufzugeben, um der Mensch zu werden, der sie wirklich sein will.


Ich habe dieses Buch an nur einem einzigen Tag durchgelesen auf einer Reise nach Mailand und wieder zurück, ich hatte genügend Zeit mich im Zug mit dieser Lektüre aus dem Fischer Verlag zu beschäftigen. Es ist schon etwas länger her, als ich das Buch gelesen habe und als ich es letztens in meinem neuen Bücherregal entdeckt habe, habe ich bestimmt etwa fünf Minuten gebraucht um mich halbwegs wieder daran zu erinnern, um was es ging. Ein ziemlich schlechtes Zeichen, wie ich finde. Ich habe dann aber glücklicherweise noch Notizen gefunden, die ich während des Lesens gemacht habe und die ich nun als Basis brauche, um diese längst überfällige Rezension zu schreiben. Ich habe das Buch nämlich aus dem Frühlingsprogramm des Fischer Verlags. Ich habe es vor einem halben Jahr an der Buchmesse in Frankfurt angefragt und nun dann endlich erhalten.



Die Geschichte ist meiner Meinung nach ein absolut klischeehaftes Jugendbuch. Es scheint nämlich rauszustechen, ist aber im Grunde genommen dann doch einfach nur ein Jugendbuch, das man in sämtliche Kategorien stecken kann und das man mit etwa siebenhundertsechsundzwanzig weiteren Büchern vergleichen kann. Es ist ein typisches 'Mädchenbuch' das folgende Themen beinhaltet: Liebe, Freundschaft, Erwachsenwerden, Essstörungen, Depressionen und Schulprobleme. Relativ schnell am Anfang passiert auch eine recht unerwartete, vielleicht auch etwas überflüssige, Wendung, die unsere Protagonistin Annabeth ziemlich gelassen aufnimmt, was mich sehr erstaunt hat. Es scheint fast so, als hätte Hilary T. Smith alles mögliche reinpacken wollen. Das Leben von Annabeth soll möglichst zerstört sein, alle möglichen Probleme sollen in die Geschichte eingearbeitet werden und dann von ihr verarbeitet. Was mich überrascht hat, ist dass das Buch eigentlich sehr unterhaltsam war und die Geschichte trotz der klischeehaften Erzählung nicht unbedingt sexistisch. Das ist ja bei so vielen Jugendbüchern leider der Fall. Ich frage mich dann immer, was sich eigentlich die Erwachsenen Autoren und Autorinnen dabei denken. Was möchten sie den jungen Mädchen überhaupt mitgeben? 



Das Ende zieht sich etwas in die Länge, die Spannung lässt nach und alles scheint irgendwie vorhersehbar zu sein. Auf den letzten Seiten wird aber nicht alles aufgelöst und wir stehen eher ziemlich ratlos dar. Zeitweise hat mir das Buch sehr gefallen, zeitweise nicht. Da ich mich aber kaum noch daran erinnern mag, ist das für mich mehr als ein schlechtes Zeichen und daher gehört das Buchh für mich in die Kategorie: Früher hätte ich es geliebt, heute gibt mir die Thematik und das ganze Drumherum einfach zu wenig her. Hätte ich das Buch nämlich ein Paar Jahre früher gelesen, dann wäre es womöglich eines der wichtigeren Bücher für mich gewesen, das war es jetzt leider nicht mehr. Aber so für zwischendurch auf einer Zugfahrt war es der perfekte Zeitvertreiber, der mich auch auf gewisse Punkte in Sachen Freundschaft hingewiesen hat. Ich habe mir noch mal wieder in den Kopf gerufen, was Freundschaft überhaupt für mich bedeutet und, was ich  für ein Glück mit meinen Freunden habe, oder wo es eben auch in unseren Beziehungen noch einige Lücken gibt.

vor der zunahme der zeichen | buchgedanken

14 Juni 2017

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Durch Zufall beginnen Senthil Vasuthevan und Valmira Surroi ein Gespräch auf Facebook. Er lebt als Doktorand der Philosophie in Berlin, sie studiert Kunstgeschichte in Marburg. Sieben Tage lang erzählen sie sich von ihrem Leben, ohne sich zu begegnen. Ihre Nachrichten handeln von ihren Familien und ihrer Flucht aus Bürgerkriegsgebieten, von ihrer Kindheit im Asylbewerberheim und ihrer Schul- und Studienzeit. Hochreflektiert schreibt Senthuran Varatharajah in seinem Debütroman über Herkunft und Ankunft, über Erinnern und Vergessen und über die Brüche in Biographien, die erst nach einiger Zeit sichtbar werden.


Ich brauchte ein wenig Zeit um mich zu fassen, zu begreifen und zu verstehen, was dieses Buch überhaupt aussagen will. Was es für eine Bedeutung für mich hat. Ich kann es immer noch nicht. Ich weiss nicht, was ich aus dem Buch mitgenommen habe, oder was ich mitnehmen soll. Ich bin  einfach zum Entschluss gekommen, dass ich das Buch noch einmal lesen muss. Ich bin vielleicht einfach nicht genau in der richtigen Stimmung gewesen um das Buch zu lesen. Ich habe es zu schnell gelesen. Es hat auf mich gewirkt - definitiv. Die Geschichten zwischen Senthil und Valmira waren so wunderschön zu lesen. Ich bin ihren Worten verfallen und habe sie in mich aufgenommen. Die Geschichten übers Ankommen und Fremdsein in einem Land, in dem man nicht wirklich willkommen scheint, ist auf eine ganz spezielle Weise ganz schön dargestellt werden. Die Geschichten sind so Detail getreu und einfühlsam. Es gefiel mir. Doch das Buch beginnt und hört gleich auf. Es gibt keinen Spannungsbogen - das Buch hat keine Einleitung oder einen Schlussteil. Es hat nur das dazwischen, keinen roten Faden. Im Fokus liegen die Worte und die dahinter steckende Lebensstory. Ich wurde verzaubert, aber ich frage mich trotzdem, ob ich den grösseren Sinn dahinter nicht verstanden habe. Ich frage mich, ob ich schlicht und einfach nicht in der Fassung war, alles so zum verstehen, wie ich es hätte sollen. Ich kann gar nicht mehr zum Buch sagen. Ihr müsst es selber lesen und bitte bitte, lasst mich wissen, was ich beim Lesen verpasst habe, was ihr daraus mitgenommen habt, oder ob es euch genau gleich erging wie mir. Ich habe gesucht, aber ich habe eben immer noch das Gefühl etwas im Buch übersehen zu haben. Das Lesen war trotzdem wunderschön, hat mich ganz entspannt und in mir eine innere Ruhe ausgestrahlt von der ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Sehr philosophisch und sehr auf Worte fokussiert. Kein Buch für Zwischendurch, sonst sitzt es nicht. Ich werde es noch einmal lesen und dann hoffentlich etwas schlauer sein. Ich bin nämlich ziemlich ratlos.



Feminismus Buch Guide

11 Juni 2017

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Es ist naheliegend, für euch feministische Literatur zusammenzufassen. Denn so viel wir davon auch lesen, es gibt keinen Guide dazu, jedenfalls haben wir keinen gefunden und wurden schon das ein oder andere Mal gefragt, ob wir nicht etwas in Richtung Feminismus empfehlen können. Das tun wir eigentlich mindestens einmal im Monat, die Kategorie versammelt verschiedene Beiträge zum Thema, aber da sind nicht nur Bücher, sondern auch Filme oder sogar Erlebnisse darunter. Das Ganze wird aber eben regelmässig von uns gefüttert und deswegen möchten wir euch hier zu all unseren Beiträgen unter dem Thema Feminismus schicken. Das heute wir nur ein Guide zum Thema Feminismus in der Literatur, ist natürlich nicht vollständig und wird von uns auch aufgefrischt. Falls ihr interessante Bücher zum Thema findet, die ihr uns empfehlen wollt, freuen wir uns natürlich sehr darüber, genau wie über jegliche Anregung!


EINSTIEG



Es gibt ganz viele und unterschiedliche Werke, die einen Einstieg ins komplexe und wichtige Thema Feminismus bieten. Alle nähern sich dem Feminismus auf eigene Art, alle sind lesenswert. Wir schreiben hier, was das Buch ausmacht und ihr könnt dann schauen, was euch am meisten anspricht!

Ene, meene, missy von Sonja Eismann
Sonja Eismann gibt mit weiteren klugen und interessanten Frauen das 'Missy Magazin' heraus. Ich bin schon lange Leserin davon und immer wieder begeistert, was für ein breites Spektrum das Magazin anbietet. Vor allem geht es um Kunst und Politik, aber alles aus feministischer Sicht. Dass das ganz viel zu bieten hat, findet man auch im Internet auf ihrem Blog www.missy-magazine.de
Jedenfalls ging Sonja Eismann dann in Elternzeit und hat währenddessen weitergearbeitet - eben für Kinder. Denn 'Ene, meene, missy' ist ein Einsteige-Buch in den Feminismus für Kinder. Aber eben auch weit mehr als das, denn das Buch geht in die Tiefe und erklärt ganz, ganz vieles, was mir nicht einmal bekannt war. Von unzähligen verschiedenen Arten des Feminismus über den Bechdel-Test bis zu Feminismus in der Mode und im Sprachgebrauch bringt sie allen Leserinnen in einem locker-leichten, aber dennoch fesselnden Schreibstil das Thema gut rüber. Für den Inhalt gibt es ein grosses Like! Die Aufmachung nimmt ironisch provokativ das Pink auf und spricht deutlich eine jüngere Zielgruppe an, was vollkommen okay ist. Trotzdem ist das Buch für sehr viele (auch Ältere) geeignet, um einen Einstieg in den Feminismus zu bieten. Und was für einer!
hier geht es zu unserer Rezension

Stand up von Julia Korbik
An der Frankfurter Buchmesse 2016 hatten wir das Glück, mit Julia Korbik sprechen zu dürfen. Wir haben sie davor als Moderatorin eines spannenden Gesprächs mitbekommen - und als Autorin zahlreicher Beiträge zum Thema Feminismus auf www.thisisjanewayne.de sowie des Buches 'Stand Up', welches auch einen Einstieg ins Thema Feminismus bietet, aber auf ganz andere Weise. Hier ist auch sehr vieles rosa und pink, aber es wurde sehr, sehr viel Arbeit in die Aufmachung gesteckt. Das Buch steckt voller schönen Illustrationen. 'Stand Up' bietet auch viel geschichtlichen Kontext und Kurzbiographien unterschiedlichster Frauen, die sich im Thema Feminismus auf ihre eigene Weise stark gemacht haben. Julia Korbik hat aber kürzlich über ein Buch geschrieben, dass sich ebenfalls auf dieser Liste befindet, und zwar hat sie 'The Second Sex' einen ganzen Beitrag gewidmet, welchen ihr hier findet - lesenswert, wie alles aus ihrer Feder!

We should all be feminists (engl.) / Mehr Feminismus! (dt.) von Chimamanda Ngozi Adichie
Eine Rede von Chimamanda Ngozi Adichie, in welcher sie über das Leben als Frau und in Nigeria erzählt - und eben, weshalb wie alle Feminist_innen sein sollten. Das schildert sie mit vielen kleinen Anekdoten aus ihrem eigenen Leben, wann sie den Begriff 'Feminismus' zum ersten Mal hörte, wie dieser aufgefasste wurde und zahlreiche Beispiele, die verdeutlichen: Feminismus ist nötig. Dieser Ted x Talk ging um die Welt und so veröffentlichte sie ein Buch mit dem gleichen Titel und mehr oder weniger gleichem Inhalt. Ihre Bekenntnisse machten so Furore, dass sogar Beyonce sie in ihren Song 'Flawless' eingebaut hat - und überhaupt sind wir überzeugt, dass sie nicht ganz unschuldig daran ist, dass Feminismus wieder so 'in' ist, ob man das nun gut findet oder nicht. Ihr Buch gehört dennoch auf jeden Fall in jede junge, feministische Bibliothek.


KLASSIKER



Ja, Feminismus ist gerade irgendwie in. Aber er wurde schon vor langer Zeit erfunden und es gibt auch viele Autorinnen und weibliche Denkerinnen, die den Feminismus und die ganze Komplexität der Gender-Geschichte auseinandernahmen in wichtigen Werken. Hier sind unsere Empfehlungen.

A room of one's own (engl.) / Ein Zimmer für sich allein von Virginia Woolf
Virgina Woolf hat zahlreiche Bücher verfasst, aber das in seiner Aussage wohl wichtigste und bedeutendste ist 'A Room Of One's Own'. Es basiert auf zwei Vorträgen, die Woolf an der ersten eigens für Frauen gegründeten Colleges hielt, ist aber länger und ausführlicher, das Thema ist, knapp zusammengefasst, 'Frauen und Literatur'. Auf den Titel zurückzuführen ist die Grundaussage, dass Kultur- und Kunstschaffende Raum für sich brauche, nicht nur einen Rückzugsort, sondern auch Platz in der Gesellschaft, der Frauen damals zumindest noch häufig verwehrt wurde. Jedoch ist es kein ausschliessliches Sachbuch, da es eine Erzählerfigur namens Mary gibt. Es ist nicht nur die eigene Meinung Woolfs vertreten, die sich als Schriftstellerin bereits einen Namen machte und längst nicht so schlecht gestellt war wie die allermeisten Frauen zu der Zeit - es ist eine wichtige und bedeutende Gesellschaftskritik, die wir uns heute auch noch zu Herzen nehmen sollten.

The second Sex (engl.) / Das andere Geschlecht (dt.) von Simone de Beauvoir
Mit dem 'zweiten Geschlecht' hat Simone de Beauvoir wohl im Feminismus den Klassiker schlechthin geschrieben - es gilt als 'das Werk der zweiten Welle des Feminismus' (übrigens, was die zweite Welle etc. ist, könnt ihr am besten in einem der Grundlagenwerke nachschlagen, die wir euch unter 'Einstieg' empfohlen haben). Daraus stammt auch das altbekannte Zitat 'On ne naît pas femme, on le devient' - 'Man ist nicht als Frau geboren, man wird es'. Damit deutet sie daraufhin, dass Geschlechterrollen geschaffen und somit unnatürlich sind, dass die Frau vom Mann zu einem passiven Objekt gemacht wurde, egal, ob dies mit ihr selbst vereinbar ist oder nicht. Auch wenn ihre Theorien teilweise sehr radikal sind, sind sie unglaublich wichtig und von Bedeutung. Da das Buch einen unglaublichen Umfang hat, bietet es sich auch an, Auszüge davon zu lesen oder andernwegs mit Simone de Beauvoir in Berührung zu kommen - beispielsweise durch die gesammelten Interview, die Alice Schwarzer mit ihr geführt hat oder durch den Blog 'Oh Simone' von Julia Korbik (Autorin von Stand Up, und, aufregendaufregend, einem Buch mit dem gleichen Titel wie der Blog, welches im Dezember bei Rowohlt erscheint!)


ESSAYS


Besonders beliebt ist die Form von Essays im Thema Feminismus. Solche liest man oft auch in der Zeitung oder in Magazinen. Vorher schon mal erwähnt, empfehlen wir euch wieder und wieder die Zeitschrift und den Onlineblog 'Missy Magazine', welches sich extrem vielfältig und klug dem Thema nähert und viele spannende Protagonistinnen widmet. Einige Frauen haben so viele Essays geschrieben, dass diese in eigenen Bücher zusammengefasst werden. Das sind unter anderem folgende... Übrigens kann diese Kategorie auch in die nächste, 'Mittendrin', fallen - hier geht es uns jedoch um die bei diesem Thema sehr beliebte Form!

Untenrum frei von Margarete Stokowski
Maragrete Stokowski schreibt in ihrem Buch in verschiedenen Essays rückblickend auf ihr Leben und erzählt, was sie im Nachhinein alles entdeckt hat. Sexismus ist überall und begegnet Mädchen schon im Kleinkindalter, sei es nun in der Bravo oder in der Spielzeugabteilung. Mit viel Humor und Selbstironie bringt sie alles, was sie sagen möchte auf den Punkt und verweist auf unzählige Studien und wissenschaftliche Texte. Das Buch wurde bereits von uns hier rezensiert und ist sehr empfehlenswert. Ich habe viel gelernt und mir ist Stokowski auf Anhieb sympathisch gewesen. Ihr ist kein Thema zu schade anzusprechen, sie schreibt absolut schonungslos und hat mich in vielen Hinsichten aufgeklärt. Ich hatte während des Lesens lauter Aha Momente und möchte das Buch bald erneut lesen, weil ich das Gefühl habe noch so viel nicht mitgenommen zu haben.

Wenn Männer mir die Welt erklären von Rebecca Solnit
Auch zu diesem Buch findet ihr auf unserem Blog eine livresque amitié Besprechung. Hier kommt ihr dazu. Rebecca Solnit spricht neue Themen im Feminismus an und weist nicht immer auf die üblichen Fakten hin, die langsam eh schon allen bekannt sind. Ihr Buch ist auch aus verschiedenen Essays aufgebaut, die aus unterschiedlichen Zeiten stammen und durch Bilder im Buch selber verbunden werden. Auch Rebecca Solnit nennt in ihrem Buch unzählige und sehr verstörende Fakten über häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch. In den USA sind weitaus mehr Frauen davon betroffen, als man denkt. Durch ihre Essays wird man noch einmal auf sexuelle Äusserungen sensibilisiert. Diese sind nämlich in unserem Alltag so stark verankert, dass wir sie kaum noch wahr nehmen. Solnit hat es satt, dass ihr Männer die Welt erklären und setzt mit ihrem Buch definitiv auch Zeichen. 

Bad Feminist (engl.) von Roxane Gay
Wir beide haben dieses Buch bisher noch nicht gelesen, aber wir haben uns beide schon etwas mit ihr befasst und finden die Ausgangslage dieses Buches wahnsinnig spannend. Roxane Gay bezeichnet sich als schlechte Feministin. Sie sagt, sie sei voll von Widersprüchen - sie unterstützt  Frauen, hört aber jeden Morgen zur Arbeit irgendwelchen Rap, in dem Frauen als Schlampen bezeichnet werden und irgendwelche Ärsche wackeln sollen. Sie glaubt an manwork, was alles ist, was sie nicht tun möchte. Ihre Lieblingsfarbe ist pink und sie schaut den Bachelor. Eine schlechte Feministin. In ihren Essays schreibt sie genau über die Widersprüche in ihr als Feministin und die ganze Diskussion über die Problematik des heutigen Begriff des Feminismus. Wir sind mehr als gespannt!

Mehr Feminismus! von Chimamanda Ngozi Adichie
Wie bereits ganz oben erwähnt ist Chimamanda Ngozi Adichie mit ihrer Rede 'We should all be feminists' berühmt geworden. Im Fischerverlag ist nun dieses Buch hier erschienen. Es beinhaltet diese Rede ebenfalls und auch noch weitere Essays. "Chimamanda Ngozi Adichie rück die privaten Kämpfe unserer Zeit in den Brennpunkt ihrer Kunst und entwirft so ein schmerzlich präzises Bild unserer Gesellschaft. Sie erzählt von Geschlechterrollen, von Homosexualität, von kultureller Identität, von Schuld und Scham. Adichie ist eine hellwache Beobachterin unserer Gegenwart und eine intime Kennerin der menschlichen Seele." - so wird dieses Büchlein beschrieben und es verspricht definitiv nicht zu wenig! Hier kommt ihr zur Rezension.


MITTENDRIN


Die Kategorie 'Mittendrin' ist wahrscheinlich die spannendste und in ihrer Bezeichnung die Ungenauste. Diese Büher haben nicht den Anspruch, vollständige und komplette Guides / Einsteigewerke ins Thema Feminismus zu sein, viel mehr greifen sie sich spezifische Themen heraus und behandeln diese. Damit zeigen sie vor allem die Diversität des Thema Feminismus' auf und wen Sexismus und sein Gegengift angeht: nämlich alle.

Unsagbare Dinge von Laurie Penny
Laurie Penny ist eine der grössten Feministinnen unserer Zeit, sie hat einige Bücher beim Verlag Nautilus Flugschrift veröffentlicht und schreibt auch immer sehr auf die heutige Zeit bezogen. Frauen sind selbstverständlich im Mittelpunkt, sie schreibt von Online- Dating, Fernsehlügen, Essstörungen und Strassenkämpfen. Sie berichtet von heutigen Klassenkämpfen und dem Umgang mit diesen. Mara war dieses Jahr an einer Lesung von ihr und hat unglaublich viel Inspirierendes von dieser tollen Frau mitgenommen. Sie ruft auf unsere Genderrollen neu zu erfinden und spricht einmal mehr Dinge an, die leider noch viel zu oft ungesagt bleiben. Diese Frau hat Energie und schont nicht sie uns in ihren Büchern weiterzugeben. 

Wir waren doch mal Feministinnen von Andi Zeisler
Andi Zeisler ist Mitbegründerin des feministischen Non-Profit-Medienprojekt Bitch- Media. Sie hat ein Buch darüber geschrieben, dass der Feminismus im Mainstream angekommen ist. Als Kritikerin schreibt sie ein Buch darüber. Feminismus ist auf einmal überall und jede, die keine Feministin ist, ist schon fast wieder komisch. Und das schlimme daran ist, dass der Feminismus sich wunderbar vermarkten lässt. Zeisler analysiert verschiedene Werbungen und erinnert uns daran, was Feminismus ursprünglich einmal war und zeigt uns zu was er geworden ist. Wir beide haben das Buch noch nicht gelesen, wollen aber unbedingt!

Anleitung für eine Revolution von Nadja Tolokonnikowa
Nadja Tolokonnikowa ist Mitglied von 'Pussy Riot' - einer feministischen, aktivistischen Punkband in Russland, die vor allem die Bedingungen für Frauen und andere marginalisierte Gruppen in ihrer Heimat unter Präsident Putin anzweifelt. Sie orientieren sich stark an den 90ern - der Riot Grrrl Bewegung beispielsweise, musikalisch auch Bikini Kill, DER Feminismus-Punkbands. Ihre Lieder geben sie in der Öffentlichkeit zum Besten, wo sie gerade Lust haben, manchmal auch in Kirchen. Dafür wurde ein Grossteil der Gruppe, darunter auch Tolokonnikowa, 2012 verhaftet. In 'Anleitung für eine Revolution' ist sie die Erzählerin der Geschichte, lässt aber auch andere zu Wort kommen. Das einzigartige Konzept des Buches ist so, dass ein Kapitel zuerst immer ein Zitat, eine Rede oder ein Briefausschnitt einer anderen Person enthält - zum Beispiel Slavoj Zizek, aber auch Gegner wir der ebenerwähnte Putin. Danach folgt immer ein bisschen aus der Feder von Tolokonnikowa, die Geschichte ihrer Verhaftung und ihrer Revolution - und so ist es zwar mehr eine Geschicht einer Revolution als eine Anleitung, aber dennoch mehr als lesenswert!
hier kommt ihr zu unserer Rezension

Boys don't cry von Jack Urwin
Ein Buch, das hier etwas aus der Reihe tanzt ist wahrscheinlich Jack Urwins Boys don't cry. Es ist das erste Buch seiner Art. Männerbilder in der heutigen Gesellschaft - stark, muskulös, niemals weinend. Diese Bilder sind verankert und auch hier muss schleunigst etwas in der Denkweise geändert werden. Wir beide haben viel gelernt und einige neue erschreckende Dinge erfahren, aber eigentlich das meiste schon gewusst. Aber gerade auch für Männer ist das sicher ein wichtiges Buch mit dem sich einige identifizieren können. Das Buch hat uns definitiv den Horizont erweitert und gehört sicher in die Kategorie Mittendrin. Jack Urwin schreibt eine Mischung aus wissenschaftlichem und lockerem Text und sein Werk gehört in jede feministische Bibliothek. 

boys don't cry | livresque amitié + Veranstaltung

07 Juni 2017

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Hier erzählt eine Freundschaft von ihrer Liebe zu Worten, dem Schreiben und Büchern.

Wir suchen uns Bücher aus, die uns faszinieren und lesen diese dann gleichzeitig. Während und unmittelbar nach dem Lesen behalten wir unsere Gedanken nur bei uns und widmen sie einzig einem Notizbüchlein. Später tauschen wir dieses dann aus um an der Meinung der jeweils anderen teilzuhaben. Hier erfahren wir dann, ob wir das Gelesene gleich empfanden oder ob es Differenzen in unseren Ansichten zum Buch gibt. In den folgenden Beiträgen dieser etwas anderen Buchbesprechung werden auch die Seiten unserer Notizbüchern abgebildet, damit auch ihr als Aussenstehende zwei oder mehr direkte Auffassungen von ein und demselben Buch zu lesen habt. Wir sind wahnsinnig gespannt auf dieses Experiment, in dem wir euch einerseits Bücher vorstellen, die Mara und Anaïs gemeinsam gelesen haben und andererseits auch Bücher, die wir in unserer Lesegruppe mit anderen Freunden lesen!


Männer weinen nicht. Sollten sie aber, denn sie haben allen Grund dazu: Starre Männlichkeitsbilder beherrschen noch immer die Identifikationsangebote – sei es in Erziehung, Beruf, Werbung oder Mainstream-Medien. Stark, unbesiegbar, wild und immer auf der Gewinnerspur sollen Männer sein, ob sie wollen oder nicht.
Jack Urwin hat genug davon. Es reicht ihm nicht, dass der starke Mann heute auch mal weinen oder Elternzeit nehmen darf, sondern er fragt, warum Männer überhaupt stark sein müssen. Warum messen wir Menschen noch immer an Stereotypen, wo es uns ohne doch viel besser ginge? Dieses Buch ist der Beginn einer längst überfälligen Debatte darüber, wie eine positive, moderne Männlichkeit aussehen kann und wie wir dahin gelangen können, sie zu leben.
Teils Essay, teils persönliches Manifest, ist »Boys don’t cry« eine witzige und scharfe Auseinandersetzung mit toxischer Maskulinität und ihren Folgen – und ein Plädoyer für einen anderen Umgang miteinander.



Anfang Mai haben wir eine Lesung im Literaturhaus Zürich zu diesem Buch besucht. Es war ein toller Abend mit unseren Freundinnen, hat uns aber nicht unbedingt viel Inspiration gegeben oder uns neue und wichtige Dinge auf den Weg gegeben. Wir haben zu diesem Zeitpunkt das Buch beide schon gelesen und haben uns in der Annahme, dass alles so unendlich oft repetiert wird, sehr bestätigt gefühlt. Der Moderator, der durch den Abend geführt hat, war eher fast schon etwas daneben und auch Jack Urwin selbst, schien sichtlich genervt. Dennoch ist das Buch ein wichtiges Werk - nicht nur Frauen haben es schwer in der heutigen Welt, auch Männer.

MARA



Jack Urwins Buch so kurz zusammen zu fassen ist keine leichte Aufgabe, wirbeln meine Gedanken dazu doch so aufgeregt in meinem Kopf. Grundsätzlich konnte ich dem Buch zwar viele neue und interessante Ansätze so wie Aspekte entnehmen, aber den Hype finde ich tatsächlich nur mässig gerechtfertigt. Viele von Urwin verteidigte Ansätze wirken auf mich noch jung und unausgereift und etwas... staksig. Genauso ein bisschen seine Schreibweise, weder lustig noch wissenschaftlich, ein seltsames, komisch geschaffenes Dazwischen. Mit diesem Schreibstil wiederholt er gewissse Argumente unzählige Male und bleibt auch dann noch an der Oberfläche, wenn ich Tiefgang erwartete - dieses 'Anschneiden' finde ich besonders bei so wichtigen Themen sehr schwierig. Ich stimme Jack Urwin natürlich zu: diese intensiv und auf der oberflächliche Stärke fokussierte Männlichkeit ist toxisch, das Patriarchat schadet auch Männern. Aber an der Umsetzung hat es teilweise gehapert. Urwin erzählt, dass Laurie Penny ihn für das Buch motiviert hat, ihm gesagt hat, er soll es schreiben - es wirkt ein bisschen erzwungen, und das ist schade, denn Urwin ist gescheit und seine Ansätze genauso.

ANAÏS



Ich war unglaublich gespannt auf diese Buch. das Erste, das die Männlichkeit als Problem ansieht und darüber schreibt. Ich habe sehr viele neue Aspekte gewonnen und fühle mich so weit informiert, dass ich das Gefühl habe, mit anderen Leuten eine gute Diskussion führen zu können und dabei meine und Jack Urwins Auffassungen zu vertreten. Schon während der Lektüre fand ich aber, dass der Autor sich oft wiederholt und zwar viele Themen ansprach, aber jeweils nur an der Oberfläche kratzte. Ich finde, er hätte hier einiges mehr herausholen können. Von der Besprechung im Literaturhaus habe ich dann leider nichts Neues mehr mitnehmen können. Jack Urwin ist immer wieder zu gleiche Studien zurückgekehrt und es scheint mir, als ginge sein Wissen nicht über sein Buch hinaus. Die Aussage ist aber gründlich bei mir angekommen - Wir müssen aufhören, Männern das "Männlichsein" einzureden. Männer müssen bereit sein das "Männlichsein" abzulegen, über ihre Gefühle zu reden und sich allenfalls Hilfe zu holen. Wir müssen gemeinsam versuchen die massiv höherer Selbstmordrate bei Männern zu senken. Wir müssen mehr Männern - und natürlich auch mehr Frauen dieses Buch zu lesen geben, damit sich in unseren Köpfen etwas verändert. Die alten Sitten müssen durch neue ersetzt werden. Wir sollten das Gespräch suchen, wir sollten es nicht mehr schwer haben zu lesen. Als Frau und als Mann nicht.



zwei theaterstücke und ein poetry slam | kultur/ wilde welt

02 Juni 2017

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Diesen Monat habe ich zwei Theaterstücke und einen Poetry Slam gesehen und möchte euch hier in diesem Post etwas näher erzählen, wie ich diese Abende erlebt habe und wie mir die Stücke gefallen haben. Am Mittwoch erscheint hier auf unserem Blog auch noch unser Monatsrückblick in dem ich normalerweise auf diese Stücke eingehe, aber da ich ziemlich viel zu sagen habe, wäre der Monatsrückblick ansonsten etwas zu lang geworden, deshalb hier: Ein Schritt in die wilde welt der Theater- und Dichtkunst. 

Poetry Slam im Miller's Studio


Mein Vater hat mir letztes Jahr zur Konfirmation 9x zwei Ticketgutscheine für neun verschiedene Theater in Zürich geschenkt. Ich kann dann für jedes Theater einen Gutschein anfordern und wir gehen gemeinsam ein Stück anschauen. Das Miller's Studio und die folgenden Theater, die ich besuchen durfte, sind ebenfalls in diesen Gutscheinen enthalten. Ein Poetry Slam ist somit eigentlich kein richtiges Theater, aber ich habe schon immer mal einen besuchen wollen und da ist mir die Gelegenheit einfach perfekt gekommen. Es war kein gewöhnlicher Slam wie man es sich gewohnt ist, es war ein so genannter Giant Poetry Slam. Julian Heun hat gegen Thomas Spitzer gebattelt. Das Publikum spielt bei so einem Slam keine geringe Rolle. Nach jedem Gedicht, das vorgetragen wird muss der Zuschauer / die Zuschauerin applaudieren und wer den stärkeren Applaus erhalten hat, erhält einen Punkt. Der Anfang des Abends war schon einmal gut: Thomas Spitzer kam etwa eine halbe Stunde zu spät, weil sein Zug über zwei Stunden Verspätung hatte. Julian Heun legte vor und erzählte uns, dass er sich erst vor kurzem mit seiner Freundin getrennt hat und dass er jetzt wieder in Clubs gehen kann um Frauen kennenzulernen. Er hat zwei verschiedene Texte über diese Trennung und die Clubbekanntschaften erzählt, höchst amüsant. Von Thomas Spitzer folgten Texte über das Leben ohne Alkohol, seine Liebe zum Dönerladen bei ihm in Köln und darüber, wie er Chinesen in China beigebracht hat deutsche Gedichte zu schreiben und wie deren Verwendung von Sprichwörtern amüsant sein können. Ein Beispiel hier. Anwendung des Sprichworts: Der Vater mag Apfelmus, der Sohn Apfelsaft. Sprichwort: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. 

Er war politisch sehr inkorrekt, aber auf eine Art, die ganz schwer zu beschreiben ist. Es war teilweise so daneben, dass es eben gerade wieder okay war und einem einfach nur noch lachend sitzen liess. Ein Beispiel, das dies nicht unbedingt zeigt, aber die Art seines Humors widerspiegelt: Er hat uns zum Beispiel die Vor- und Nachteile einer Burkaträgerin vorgestellt. Vorteil ist: Niemand merkt, dass du eine schlechte Bauchrednern bist und Nachteil ist, dass du falls du eben mal furzen musst, den Gestank unter deiner Burka aushalten musst... Julian Heun blieb da einiges korrekter und hat auch die 'harmloseren' Texte erzählt: Er hat einen über seine Oma vorgelesen und darüber wie froh er ist, dass er endlich sein 'Scheiss- Germanistik Studium' abgeschlossen hat. Ein Gedichtabschnitt von dem attraktiven jungen Mann ist mir besonders stark in Erinnerung geblieben: Einmal war er am Morgen früh beim Flughafen, er war noch betrunken und hat dann erschreckend festgestellt, dass er keinen Pass dabei hatte. Er hat dann in seinem Portemonnaie gewühlt und einen ewig abgelaufenen Ausweis gefunden - seine letzte Chance. Er hat ihn der Frau am Schalter entgegen gestreckt und sie hat mit nur einem Blick darauf gesagt: "Herr Heun, diese Karte ist abgelaufen". Er war einfach zu müde irgend eine gute Ausrede aufzutischen und sagte: "Ich will aber trotzdem fliegen!" und da gab sie ihm den Boardingpass. In dem Gedicht ging es dann weiter darum, was man wohl alles anstellen kann mit einer solchen Ausrede! Stellt euch nur vor, ihr ginget in einen Klub und jemand weist euch ab... Ich könnte die beiden jungen Herren noch ewig zitieren, dieser Slam war ein grossartiges Erlebnis! Ich habe so viele Tränen gelacht und auch mein Vater hat sich sichtlich amüsiert.  Leider war das gerade der letzte Slam vor der Sommerpause, aber definitiv nicht mein letzter Besuch im Miller's Studio. Ich möchte unbedingt wieder hingehen und mit meinen Freunden einen lustigen Abend verbringen. 

The Show must go wrong im Theater am Hechtplatz

Das Theater am Hechtplatz ist ein kleines Theater, in dem ich früher einige Kinderaufführungen gesehen habe, wie zum Beispiel Dornröschen oder Das kleine Gespenst. Vor zwei Jahren war ich einmal mit einer Freundin dort, wir haben die Komödie West Side Story gesehen und uns gekübelt vor Lachen. Es war grossartig und hatte unseren Geschmack getroffen. Diese Vorstellung, die ich nun mit meinem Vater im Rahmen unserer Theatertour durch Zürich gesehen habe, war auf einem ganz neuen Level. Slapstick pur und britischer Humor war auch vertreten, leider nicht ganz so dezent. Es war radikal. Aber zuerst einmal zur groben Handlung: Es wird ein Theater auf der Bühne vorgetragen, Mord auf Schloss Haversham heisst dieses Stück. Leider geht alles schief. Und meine Betonung liegt auf ALLES. Eigentlich fängt die Katastrophe schon vor Beginn des Stücks an, Schauspieler gehen durch die Reihen und suchen einen Hund, sie reparieren letzte Requisiten auf dem Bühnenbild. Dann geht es so weiter, dass zwei verschiedene Personen die gleiche Einleitung zum Stück vortragen. Im Vorhinein verschlossene Türen können nicht mehr geöffnet werden und Requisiten sind am falschen Ort. Anstelle eines Stifts und Blocks werden einfach Schlüssel und Blumenvase verwendet - why not. Alles scheint von den Wänden zu fallen, Schilder und Gemälde fallen verschiedenen Leuten auf den Kopf. Schauspieler werden bewusstlos, Techniker müssen die Rollen übernehmen und einspringen. Es wird ein falsches Getränk verwendet, hoch giftig, die Gäste auf dem Schloss prusten die Flüssigkeiten wieder aus. Der ganze oberer Stock des Bühnenbilds kracht zusammen, der Lift funktioniert nicht mehr - ein einziger Schlachthof. Jemand vergisst sein richtiges Stichwort und der Dialog muss fünf Mal wiederholt werden. Eine Schauspielerin ist erneut bewusstlos geworden und hat sich im Uhrenschrank verstecken müssen. Die Männer hieven an Stelle von ihr den ganzen Schrank auf die Couch und streichen ihr die Haare, bzw. die Zeiger aus dem Gesicht. ("Die tickt ja nicht mehr richtig!"). Sehr plumper Humor, ich kam mir vor wie bei Upps die Pannenshow - einfach im Theater. Mir war es richtig unangenehm zwischen allen Menschen zu sitzen, die sich kaum mehr auf den Sesseln halten konnten, weil sie es so lustig fanden. Mein Vater und ich haben uns einige Blicke zugeworfen, die so viel sagten wie: Wo sind wir denn hier gelandet? Und OH MEIN GOTT das Telefonkabel ist gerissen. Ich musste nie richtig von Herzen lachen, ich habe gelacht, weil die ganze Situation so absurd war und weil es so lustig war zu sehen, was das Publikum um uns herum für witzig hält. Es war auf jeden Fall ein einmaliger Abend, sehr skurril. Ein klitze, klitze, kliiiitze kleines bisschen übertrieben, aber nur ein bisschen... Trotzdem musste ich seither an einige besonders bekloptte Momente denken und amüsiere mich dabei köstlich. Ich werde allerdings in näherer Zukunft keinen Fuss mehr in das Theater am Hechtplatz fassen, es scheint mir typisch, dass hier irgend welche Leute, die das Gefühl haben, sie würden jetzt Kultur sehen, aufkreuzen. Ich will mehr sehen als zerstörte Bühnenbilder!


Wir proben noch. Ein Pizzastück, Oimoi im Theater Rigiblick

Erneut habe ich es mit einem nicht vollkommenen Stück zu tun gehabt. Oimoi ist eine Theatergruppe bestehend aus vier jungen Leuten, die gemeinsam ein Stück inszeniert haben. Es begann um 20 Uhr und es war ein Theater im Theater. Die vier haben sich nicht einigen können, wer von ihnen jetzt von der Brücke springt und sich umbringt. Als Schauspieler konnten sie das irgendwie nicht verantworten. Sie hatten nur noch eine einzige Stunde bis zum Vorstellungsbeginn, aber eben, der Knackpunkt war noch nicht untereinander ausgemacht. Die Sprache war sehr hochgestochen und der Inhalt gab eher wenig her. Die Ausgangslage, Suizid zu thematisieren, fand ich sehr spannend, aber irgendwie ging es am Schluss gar nicht darum herauszufinden, ob Suizid eine Lösung ist, oder weshalb es überhaupt zu dieser Entscheidung kam, sondern eher darum, welcher Schauspieler jetzt Selbstmord begeht. Auch hier war das Publikum sehr interessant zu beobachten, hauptsächlich Theaterschüler und angehende Schauspielern und deren Eltern. Ein wenig familiäre Stimmung. Es war nicht wirklich lustig, es gab keinen wirklichen Inhalt und es war viel zu heiss. Auch die schauspielerische Leistung, die solide war, aber nicht überragend, hat mich nicht ganz überzeugt. Ich weiss gar nicht genau, was ich noch gross zum Stück sagen soll, ich hätte mehr erwartet. Aber gerade die Abwechslung und die Diversität der verschiedenen Theater, die ich mir in letzter Zeit angeschaut habe, finde ich so spannend und sie hilft mir auch eine Perspektive zu bekommen - ich weiss, was ich mir in Zukunft anschauen möchte und vor allem weiss ich auch, was ich gerne selber spielen möchte. Inspiration auf eine andere Art, rückwärts irgendwie... Heute Abend gehe ich aber ein anderes Theater schauen und ich hoffe sehr, dass mich das wieder einmal begeistern kann!



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