Jeder Tag kann der Schönste in deinem Leben sein | Buchbesprechung

23 April 2017

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Flora Banks Leben ist wie ein tausendteiliges Puzzle in allen Farben des Regenbogens. Jeden Tag muss sie es erneut zusammensetzen. Sie muss sich daran erinnern, wer sie ist und was los ist. Manchmal stündlich. Nichts, was seit ihrem 10. Geburtstag passiert ist, bleibt ihr im Gedächtnis. Doch auf einmal ist da diese eine Erinnerung in ihrem Kopf. Und sie bleibt, verschwindet nicht wie die anderen Details aus ihrem Leben. Es ist die Erinnerung daran, wie sie nachts am Strand einen Jungen geküsst hat. Bewaffnet mit Handy, Briefen von ihrem Bruder aus Paris, einem prallgefüllten Notizbuch und tausenden von Zettelchen macht sich Flora Banks auf eine Reise, die sie letztendlich zu sich selbst führt. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben kann sie jetzt entscheiden, wer sie wirklich sein will.

Dieses Buch von Emily Barr wurde von Maria Poets ins Deutsche übersetzt und ist im diesjährigen Frühlingsprogramm vom Fischer Verlag. Die Geschichte handelt von Flora, eine Protagonistin, die mir während des ganzen Buches einfach nicht wirklich sympathisch wurde. Das hat vorwiegend damit zutun, dass man durch ihre Gedächtnisschwäche einfach nicht wirklich an das Mädchen herankommen konnte. Ich fand es während des Lesens sehr umständlich und mühsam immer wieder  aus Floras Sicht die eigenen Notizen auf ihren Händen zu lesen. Es dauert ewig, bis einmal etwas passiert. Die Geschichte ist irgendwie sehr 'strub'. Der Kuss, der in Floras Leben alles veränderte und es völlig auf den Kopf gestellt hat, ist absolut unromantisch und extrem kitschig! Am Strand, nach einer Party unter Alkoholeinfluss und dann erst noch mit dem Freund ihrer besten Freundin. Für mich war es deshalb nicht nachvollziehbar, dass jeder zweite Satz im Buch Ich liebe Drake ist. Mit diesen drei Worten wird um sich geworfen, so oft, dass es einfach zu überspitzt und unlogisch herüberkommt. 



Flora leidet an einer Amnesie. Sie ist nicht fähig sich an bestimmte Ereignisse zu erinnern seit sie zehn Jahre alt ist. Sie vergisst jeden Tag aufs Neue, wer sie ist, wo sie ist, was sie macht und ist absolut hilflos. Nun endlich hat sie aber eine Erinnerung an die sie sich klammert. Eben dieser Kuss mit Drake. Drake lebt aber nun nicht mehr in ihrem Örtchen, sondern in der Arktis. Die ersten Tage schreiben die beiden einander Emails, die meiner Meinung nach extrem übertrieben und zu extrem sind. Ein Beispiel: Er erzählt ihr, dass er sehr viel Zeit damit verbringt, sie nackt zu sehen. Die beiden haben sich ja nur geküsst und eigentlich gar nichts miteinander zu tun gehabt zuvor, eine viel zu krasse Wandlung, wie ich finde. Flora macht sich dann auf den Weg in die Arktis um ihren Traummann zu finden und Zeit mit ihm zu verbringen. Der zweite Teil der Geschichte ist definitiv spannender als der erste. Aber auch hier haben wir es mit unzähligen Wiederholungen zu tun und die Geschichte geht auch da nicht wirklich vorwärts. Richtig spannend wird der Roman erst im  dritten und letzten Teil. Hier wird nämlich das Rätsel aufgelöst und es werden einem einige spannende Fakten geliefert.


Das wäre doch ein spannendes Thema für die Geschichte. Ich habe mich gefragt, ob Emily Barr einen zweiten Band schreiben würde. Das wäre eine gute Basis für ein Jugendbuchroman, ein bisschen Abenteuer, Freundschaft, Liebe und Probleme, die sich zur Abwechslung nicht nur um Jungs drehen. Mir scheint es fast, als hätte die Autorin nicht mehr genau gewusst, was sie denn zum Schluss schreiben soll, und dann einfach abrupt alles zu Ende gebracht hat. Trotzdem hört es nicht ganz abgeschlossen auf, und lässt viel Platz für Neues. Denn hier werden keine Wiederholungen mehr gemacht und alles geht etwas schneller vorwärts. Da das Buch aber auch keinen harten oder schweren Inhalt hat, habe ich es in kurzer Zeit beendet und schon nach einem Tag niederlegen können. 

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben sein, ist ein Buch, das mir so von der Thematik einfach nicht wirklich zugesprochen hat. Weder heute noch vor ein Paar Jahren. Ich merke mit jedem Jugendbuch, das ich beende, dass es mir einfach nicht mehr zuspricht und dass der Lesespass nicht mehr derselbe ist. Ich möchte mich Belletristik widmen, die mir etwas lehrt und die mir im Kopf bleibt. Hier war das leider nicht der Fall, mir hat das Buch leider nicht so gut gefallen. Aber es gibt bestimmt junge Leute, die sich dieser Art von Büchern lieber vornehmen, als ich.



Vielen herzlichen Dank an den Fischer Verlag für die Zustellung dieses Rezensionsexemplars!







Kommentare
  1. Ich kann verstehen, was du meinst. Bei mir kam auch irgendwann der Punkt, an dem ich die Jugendbücher, die ich bisher gelesen hatte, nicht mehr mochte. Sie waren mir zu oberflächlich und zeigten mir nicht genug Neues. Das beste Beispiel in meinem Fall ist die Twilight-Reihe. Das bedeutet nicht, dass die Bücher schlecht sind, sondern einfach, dass man sich hin zu anspruchsvollerer Literatur entwickelt. Das Thema des Buches finde ich übrigens sehr interessant, wenn dann aber die komplette Geschichte in eine kitschige Liebesgeschichte gequetscht wird, ist es sehr schade und verschenkt in meinen Augen viel Potenzial.
    Liebe Grüße,
    Cora

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    1. Liebe Cora, vielen Dank für deinen schönen Kommentar. Du hast meine Gedanken zum Buch wunderschön zusammengefasst. Genau der Aspekt, dass die Bücher grundsätzlich nicht einmal schlecht ist, sondern einfach den eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen... Ich fand die Idee der Geschichte eben auch recht spannend, aber die Umsetzung dann nicht so toll, das geht mir leider bei so vielen Büchern so...
      Alles Liebe und eine wunderschöne Woche, Anaïs

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  2. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber allein die Tatsache, dass sie ihre beste Freundin, die ihr jahrelang beigestanden ist, so hintergeht und die Erinnerung an den Kuss über die Freundschaft stellt, find ich schon echt blö und macht mir Flora schon im Vornerein unsympathisch.

    Liebe Grüße,
    Linda

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    1. Liebe Linda, ja das hat mich auch etwas gewundert. Aber man darf nicht vergessen, dass sie sich ja nicht erinnern kann... Liebst, Anaïs

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