sec 25 | buchhandlung


Die zweite Buchhandlung in unserer Reihe / Reise durch Zürich ist sec52. 
Der Name rührt daher, dass sie sich die Buchhandlung von Rico Bilger an der Josefstrasse 52 befindet. Diese liegt mitten im Zürcher Kreis 5, einem lebendigen und authentischen Viertel. Wir streichen oft durch dieses Quartier, in welchem sich auch viele unserer liebsten Cafés und Second-Hand-Shops befinden, wir lieben die künstlerische Atmosphäre und die verschiedenen Kulturen, die hier seit Jahren absolut friedlich aufeinandertreffen. Falls erwünscht werden wir euch Zürich und seine Kreise selbst mal noch näher bringen! 
Sec52 ist im Umkreis auch der einzige Buchladen, und wird auch deswegen am Samstag oft schnell voll. Die Auswahl gefällt uns beiden unglaublich gut, man fühlt sich wohl und wie in einer gut sortierten Bibliothek, so wie's sein sollte. Da die Räume klein sind, reichen die Regale vom Boden bis zur Decke und wer Bücher liebt, ist hier im Himmel. 
Die Einteilung gefällt uns besonders gut, man findet neben aktueller und spezieller Belletristik auch viel Poesie, englische Bücher, Kunst- und Designbücher und Kochbücher, genauso wie eine kleine aber feine Auswahl an Notizbüchern und Postkarten.
Auch wenn der Laden geschlossen hat, bietet das Schaufenster immer viel zu sehen. Es zeigt eine schöne Auswahl an besonderen Büchern, die es im Laden zu kaufen gibt.
Wenn man die Buchhandlung dann betritt, bekommt man noch viel stärker als in anderen Buchhandlungen das Gefühl, dass hier Bücher wirklich geliebt werden. Auf den ersten Blick, trotz unseres Lobs für die Einteilung, wirken die Räume fast ein bisschen chaotisch, eben wie bei Buchliebhaber_innen zu Hause. Aber schon nach ein paar Besuchen kennt man sich hier eben auch wie zu Hause aus, denn wiederkehren möchte man unbedingt. Und trotzdem findet man immer wieder neue Schätze!



Rico Bilder hat sich wirklich mit Leib und Seele den Büchern verschrieben. Neben seiner wunderschönen Buchhandlung hat er nämlich auch einen eigenen Verlag, der bilgerverlag. Dieser ist klein, bringt dafür aber wirklich besondere und auserwählte Bücher heraus. Hier könnt ihr euch das aktuelle Frühjahrsprogramm anschauen. Das Gefühl, welches er mit seiner Buchauswahl vermitteln möchte, spiegelt sich darin natürlich stark wieder. So werden alternative und andere Sichten gezeigt, ebenso wie der Schauplatz variiert und viele Karten neu gemischt werden. Genau das ist, was uns gefällt. Aber auch bei der Poesie hat er wirklich ein gutes Händchen und übersetzte so das von uns geliebte 'The Coral Sea' von Patti Smith, das Korallenmeer. 



Buchhandlung sec52
Josefstrasse 52
8005 Zürich

www.sec52.ch

Besonderheiten
+ Eigener Verlag, bilgerverlag
+ Bücherregale bis zur Decke
+ Eigene, unkonventionelle Ordnung, gute Auswahl
+ nette und ausführliche Beratung
+ gutes Poesie und Kunstbuch Programm
+ gute Lage
+ riesiges Schaufenster, welches die Auswahl widerspiegelt



Möchtet ihr neben mehr unserer Lieblingsbuchhandlungen auch andere Tipps für unser geliebtes, vielfältiges Zürich hier erfahren? Lasst es uns wissen...

Nina und Tom | Buchgedanken


Tom liebt Nina. Nina liebt Tom. Sie hat nur noch wenige Tage zu leben. 

So jemanden wie Nina hat Tom noch nie gesehen: Sie sieht aus wie ein Knabe und hat diesen Gangsterblick, der keine Schwächen zulässt. Er selbst bastelt Feuerbomben und inszeniert Geschichten, die wie die Wahrheit klingen. In Barcelona lernen sie sich kennen, in Berlin experimentieren sie mit Sex, Pop und Drogen, und in L. A. gründen sie eine Familie. Nina & Tom sind das ungleiche Paar, das nur die Extreme kennt. Doch nun, nach dreißig gemeinsamen Jahren, ist Nina krank. Sie wird sterben. Und niemand kann sie davon abhalten, ihre letzten Tage in Freiheit zu verbringen. Ein Buch, wie es nur das Leben schreiben kann.

'Nina und Tom' ist ohne Frage ein aussergewöhnliches Buch.
So gnadenlos ehrlich Tom Kummers Worte wirken, so stechend scharf schwarz auf weiss, schmückt das Buch doch nirgends ein Attribut in Richtung 'autobiographisch'. Vielleicht hat dies eine ganz einfache Erklärung - vielleicht bewegt sich Tom Kummer nämlich mal wieder auf einer schmalen Linie, die zwischen Fiktion und Wahrheit. Und wirft damit Fragen auf. Ist gute Fiktion nicht ähnlich wahr wie reine Wahrheit? Er überlässt uns damit auch noch eine weitere Aufgabe. Glauben, was wir glauben. Genau darum geht es im Roman ebenfalls, um das Erwachsen und (Sich-)Bewusstwerden zweier Menschen, welche ihren Platz in der Welt suchen und ihrem eigenen Glauben folgen.
Dabei wirken Nina und Tom so tief miteinander verbunden und doch so individuell und eigenständig, wie es nur ein echtes Leben und ein echtes Paar sein können. Wir dürfen sie also auf ihrem wilden Weg begleiten und Kennenlernen und dabei sind die beiden wie Freunde.
Denn anders als bei anderen Büchern scheint ihre Dickköpfigkeit und Eigensinnigkeit durch die rein literarische Zeichnung der Charaktere durch. So sind uns Leser_innen die Personen sympathisch oder nicht und abhängig davon gefällt uns das Buch oder nicht - obwohl ich sonst immer stark daf¨r bin, die Sympathie zu den Charakteren vom ganzen Eindruck des Buches zu trennen, wird hier das doch fast exzessiv verlangt. Aber ich kann gar nicht wirklich von Sympathie oder Antipathie sprechen. Denn Nina und Tom, genauso wie das Buch, strahlen auf mich einfach etwas unglaublich Faszinierendes aus. Vor allem ihre Menschlichkeit und die Schwäche in ihren Stärken, die wirklich brilliant scheint.

Jeder Tag kann der Schönste in deinem Leben sein | Buchbesprechung



Flora Banks Leben ist wie ein tausendteiliges Puzzle in allen Farben des Regenbogens. Jeden Tag muss sie es erneut zusammensetzen. Sie muss sich daran erinnern, wer sie ist und was los ist. Manchmal stündlich. Nichts, was seit ihrem 10. Geburtstag passiert ist, bleibt ihr im Gedächtnis. Doch auf einmal ist da diese eine Erinnerung in ihrem Kopf. Und sie bleibt, verschwindet nicht wie die anderen Details aus ihrem Leben. Es ist die Erinnerung daran, wie sie nachts am Strand einen Jungen geküsst hat. Bewaffnet mit Handy, Briefen von ihrem Bruder aus Paris, einem prallgefüllten Notizbuch und tausenden von Zettelchen macht sich Flora Banks auf eine Reise, die sie letztendlich zu sich selbst führt. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben kann sie jetzt entscheiden, wer sie wirklich sein will.

Dieses Buch von Emily Barr wurde von Maria Poets ins Deutsche übersetzt und ist im diesjährigen Frühlingsprogramm vom Fischer Verlag. Die Geschichte handelt von Flora, eine Protagonistin, die mir während des ganzen Buches einfach nicht wirklich sympathisch wurde. Das hat vorwiegend damit zutun, dass man durch ihre Gedächtnisschwäche einfach nicht wirklich an das Mädchen herankommen konnte. Ich fand es während des Lesens sehr umständlich und mühsam immer wieder  aus Floras Sicht die eigenen Notizen auf ihren Händen zu lesen. Es dauert ewig, bis einmal etwas passiert. Die Geschichte ist irgendwie sehr 'strub'. Der Kuss, der in Floras Leben alles veränderte und es völlig auf den Kopf gestellt hat, ist absolut unromantisch und extrem kitschig! Am Strand, nach einer Party unter Alkoholeinfluss und dann erst noch mit dem Freund ihrer besten Freundin. Für mich war es deshalb nicht nachvollziehbar, dass jeder zweite Satz im Buch Ich liebe Drake ist. Mit diesen drei Worten wird um sich geworfen, so oft, dass es einfach zu überspitzt und unlogisch herüberkommt. 



Flora leidet an einer Amnesie. Sie ist nicht fähig sich an bestimmte Ereignisse zu erinnern seit sie zehn Jahre alt ist. Sie vergisst jeden Tag aufs Neue, wer sie ist, wo sie ist, was sie macht und ist absolut hilflos. Nun endlich hat sie aber eine Erinnerung an die sie sich klammert. Eben dieser Kuss mit Drake. Drake lebt aber nun nicht mehr in ihrem Örtchen, sondern in der Arktis. Die ersten Tage schreiben die beiden einander Emails, die meiner Meinung nach extrem übertrieben und zu extrem sind. Ein Beispiel: Er erzählt ihr, dass er sehr viel Zeit damit verbringt, sie nackt zu sehen. Die beiden haben sich ja nur geküsst und eigentlich gar nichts miteinander zu tun gehabt zuvor, eine viel zu krasse Wandlung, wie ich finde. Flora macht sich dann auf den Weg in die Arktis um ihren Traummann zu finden und Zeit mit ihm zu verbringen. Der zweite Teil der Geschichte ist definitiv spannender als der erste. Aber auch hier haben wir es mit unzähligen Wiederholungen zu tun und die Geschichte geht auch da nicht wirklich vorwärts. Richtig spannend wird der Roman erst im  dritten und letzten Teil. Hier wird nämlich das Rätsel aufgelöst und es werden einem einige spannende Fakten geliefert.


Das wäre doch ein spannendes Thema für die Geschichte. Ich habe mich gefragt, ob Emily Barr einen zweiten Band schreiben würde. Das wäre eine gute Basis für ein Jugendbuchroman, ein bisschen Abenteuer, Freundschaft, Liebe und Probleme, die sich zur Abwechslung nicht nur um Jungs drehen. Mir scheint es fast, als hätte die Autorin nicht mehr genau gewusst, was sie denn zum Schluss schreiben soll, und dann einfach abrupt alles zu Ende gebracht hat. Trotzdem hört es nicht ganz abgeschlossen auf, und lässt viel Platz für Neues. Denn hier werden keine Wiederholungen mehr gemacht und alles geht etwas schneller vorwärts. Da das Buch aber auch keinen harten oder schweren Inhalt hat, habe ich es in kurzer Zeit beendet und schon nach einem Tag niederlegen können. 

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben sein, ist ein Buch, das mir so von der Thematik einfach nicht wirklich zugesprochen hat. Weder heute noch vor ein Paar Jahren. Ich merke mit jedem Jugendbuch, das ich beende, dass es mir einfach nicht mehr zuspricht und dass der Lesespass nicht mehr derselbe ist. Ich möchte mich Belletristik widmen, die mir etwas lehrt und die mir im Kopf bleibt. Hier war das leider nicht der Fall, mir hat das Buch leider nicht so gut gefallen. Aber es gibt bestimmt junge Leute, die sich dieser Art von Büchern lieber vornehmen, als ich.



Vielen herzlichen Dank an den Fischer Verlag für die Zustellung dieses Rezensionsexemplars!